Agathon: Starke Teamplayer

19. Februar 2019
Michael Merkle & Dr. Stephan Scholze, Agathon AG
Die Wahlschweizer Michael Merkle (li.) und Dr. Stephan Scholze (re.) ergänzen sich wunderbar gegenseitig.
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Mit gegenseitigem Respekt und Wertschätzung führen Sie Agathon im Sinne des Firmengründers in das nächste Jahrhundert. Agathon kann als Produzent von Laser- und Schleifmaschinen zur Fertigung von Wendeschneidplatten und Führungselementen für den Formen-, Werkzeug und Maschinenbau nun auf eine 100-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Während Michael Merkle sich überwiegend um die Geschäftsführung kümmert, verantwortet Dr. Stephan Scholze den Bereich Forschung und Entwicklung.

Als Michael Merkle, Nachfolger von Walter Pfluger, am 15. Januar 2015 das Amt des Geschäftsführers von Agathon übernahm, konnte er am frühen Morgen noch nicht ahnen, was ihn an diesem Tag erwarten würde. Eigentlich sollte es nur ein Tag der Bestandsaufnahme und Budgetplanung werden, doch von einer Minute auf die andere wendete sich das Blatt. Gegen Mittag kündigte die Schweizerische Nationalbank den Euro-Mindestkurs auf und brachte nahezu alle schweizerischen exportorientierten Unternehmen in Zugzwang, denn der Franken verteuerte sich auf einen Schlag um fast 20 Prozent. „Mein erster Arbeitstag bei Agathon setzte uns alle gleichermaßen unter Schock, vergleichbar wie damals die Situation bei -nine eleven-“, erinnert sich Michael Merkle rückblickend. Anstatt sich um die Budgetplanung zu kümmern und langsam mit Agathon vertraut zu werden, warteten nun ganz andere Aufgaben auf den gebürtigen Baden-Württemberger.
Zusammen mit Dr. Stephan Scholze (CTO) und der Agathon-Geschäftsleitung führte er Agathon besonnen und entschieden aus der „Frankenschock-Krise“. Die Anstrengungen waren von Erfolg gekrönt. Im Interview berichten beide, wie es gelungen war, Agathon aus der Frankenkrise zu führen und von ihrer Faszination, Agathon weiterhin auf Erfolgskurs zu halten.

 

 

DIAMOND BUSINESS: Dr. Walter Pfluger suchte einen vertrauensvollen Nachfolger für sein Traditions-Familien-Unternehmen. Wie kam der Kontakt mit Ihnen zustande, Herr Merkle?

Michael Merkle: Als Herr Pfluger auf mich zukam, war ich Geschäftsführer eines weltweit führenden Herstellers von Laserschneidmaschinen. Agathon kannte ich schon aus den 90iger Jahren. Mir war bewusst, dass es sich um eine gute, solide Firma mit hervorragenden Produkten handeln würde. Herr Pfluger und ich kannten uns bereits einige Jahre, da wir beide unseren Lebensmittelpunkt in Solothurn haben. Als er mich fragte, ob ich Interesse hätte, Agathon zu kaufen, musste ich schon darüber nachdenken. Der Reiz der Selbständigkeit war jedoch sehr verlockend und deshalb fiel der Entschluss, mich aus der Komfortzone rauszubewegen und Verantwortung als Geschäftsinhaber und Teilhaber zu übernehmen. Auf der Suche war ich allerdings nicht, diese Chance hatte sich zufällig ergeben. Ich schätze Herrn Pfluger nach wie vor als sehr kompetenten Ratgeber. Jedoch hat er sich mittlerweile ganz aus dem Geschäft zurückgezogen. Herr Pfluger hat mir und Herrn Dr. Scholze vom ersten Tag das „Ruder“ vertrauensvoll übergeben. Das hätte nicht besser laufen können.


Dabei war Ihr erster Arbeitstag alles andere als unkompliziert. Er wurde zeitgleich überschattet von der Nachricht der Schweizer Nationalbank. Wie war es Ihnen möglich, einen kühlen Kopf zu bewahren und Agathon aus der Frankenkrise zu führen?

Michael Merkle: Winston Churchill brachte es mit seinem Zitat auf den Punkt: „never waste a good crises“. Rückblickend hat mir die Krise den Einstieg um einiges einfacher gemacht, weil sich jeder in der Schockstarre befand und die Mitarbeiter auf der Suche nach einer starken Führungspersönlichkeit waren. So hatte ich eine große Akzeptanz für Veränderungen, die von allen bereitwillig getragen wurden. Es war entscheidend, in dieser heiklen Situation eine klare Richtung vorzugeben und diese auch mit Nachdruck zu verfolgen. Dass Herr Pfluger mir in dieser Situation das vollste Vertrauen ausgesprochen hatte und er es auch so kommunizierte, machte es für uns alle einfacher. Ich konnte vom ersten Tag an die volle Verantwortung übernehmen und die Richtung vorgeben. Tatsächlich hatten wir 18 anspruchsvolle Monate, einerseits haben wir gewichtige Einsparungen vorgenommen und auf der anderen Seite haben wir in Entwicklung und Marketing investiert. Die Idee des Lasers wurde geboren, der schließlich 2017 auf den Markt kam. Und im Herbst 2015 konnten wir auf unseren hauseigenen Technology Days hier am Standort Bellach bereits die Leo vorstellen.

Mitinhaber und Mitglied der Geschäftsleitung sind auch Sie, Herr Dr. Scholze. Herr Scholze, wie kamen Sie zu Agathon und welche Aufgaben nehmen Sie wahr?

Stephan Scholze: Nach meinem Physikstudium in Stuttgart, wechselte ich 1999 an die ETH nach Zürich, um mein Doktorat der technischen Wissenschaften zu machen im Bereich Computer Science. Ich durfte mich mit maschinellem Sehen, 3-D-Rekonstruktionen und künstlicher Intelligenz beschäftigen. Danach begann ich meine Karriere in der Schweiz, hatte mehrere Projektleitungen inne und fokussierte mich von Anfange an auf Forschung und Entwicklung. Um mehr bewegen zu können war ich auf der Suche nach einer Firma, die den Bereich F&E und die Produktion ihrer Produkte unter einem Dach vereint hatte. Dieses Zusammenspiel garantiert einen effizienten Entwicklungszyklus. Hier bei Agathon habe ich genau das angetroffen. Agathon ist für mich ein technologisches Juwel und das hat mich von Anfang an begeistert. Die Qualität der Produkte steht über allem, weit hinweg über den kurzfristigen Profit. Wir überzeugen durch die Technologieführerschaft und durch Innovation. Darin sehen wir auch unsere Existenzberechtigung. Gelänge uns das nicht, dann könnten wir an diesem Standort dieses Business nicht betreiben.
Michael Merkle und ich ergänzen uns wunderbar gegenseitig. Während ich für die F&E bei Agathon Verantwortung trage, ist Herr Merkle für die Geschäftsleitung zuständig. So kann man sich zielführend die Aufgaben teilen und sich auf die eigenen Stärken fokussieren.

Agathon Maschinenportfolio

Herr Scholze, Sie bezeichnen die „Leo“ als eines Ihrer Innovationsmeisterstücke. Dabei ist sie einfacher aufgebaut und mit weniger Features ausgestattet als das Vorgängermodell. Worin liegt das Geheimnis?

Stephan Scholze: Dieses Maschine wurde von einem ausserordentlichen Team geschaffen! Bei der Leo handelt es sich um ein neues, hochpräzises 4-Achsen Schleifzentrum zur Bearbeitung von Wendeschneidplatten. Im Laufe der Jahre haben wir unsere Produkte immer wieder verbessert, sie leistungsfähiger und größer gemacht, um immer komplexere Aufgaben erledigen zu können. Folglich stiegen die Maschinen im Preis und manövrierte sich in ein Marktsegment für High-end-Anwendungen. Damit hat sich eine neue Lücke für Anwendungen aufgetan, die eine derart leistungsfähige Maschine nicht benötigen, bei der aber Qualität und Langlebigkeit trotzdem notwendig waren. Das Ergebnis war die neue Leo. Eine Maschine, die sich auf ein Komplexitätsminimum beschränkt, ohne Abstriche an der Qualität zu machen. Wir haben die gleiche Steuerung, gleiche Komponenten, Spezifikationen und Toleranzen, fokussiert auf ein einfaches Produktsegment. Wir haben etwas gemacht, was erfolgreichen Firmen extrem schwerfällt, da die Tendenz meistens in die andere Richtung geht. Wir haben mit dem Schritt zurück ein Portfolio geschaffen das alles abdeckt, was dieses breite Segment braucht. Und die Leo ist damit zur Erfolgsgeschichte geworden.

Als Mitte 2016 die Konjunktur wieder angezogen hatte und das neue Portfolio von Agathon Kaufinteresse weckte, wurden hier am Standort Bellach nur noch Überstunden gemacht. Alle getroffenen Maßnahmen hatten damit ihre Wirkung gezeigt.Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis?

Michael Merkle: Tatsächlich sind wir mit unseren Aufträgen voll bis unters Dach. Wir bauen mittlerweile wesentlich mehr Produkte als vorher, haben mehr Plattformen und machen das noch immer auf ähnlicher Fläche und immer noch mit derselben Anzahl Mitarbeiter. Die Strategie der Technologieführerschaft fahren wir weiter. Das gibt uns erfreulicherweise den entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Das Lohnniveau ist zwar in der Schweiz hoch, die Qualität der Mitarbeiter und letztendlich auch die Qualität unserer Produkte jedoch auch.  Durch den schlanken Fertigungsprozess auf gleicher Fixkostenstruktur konnten wir den starken Franken weitgehend kompensieren. Wir können uns wieder am soliden Wachstum und an unserer Stabilität erfreuen.

Agathon Jubiläum 100 Jahre

Sie sprechen damit auf Ihr außergewöhnliches Event im Sommer an. Agathon kann nun auf 100 Jahre Firmengeschichte zurückblicken und zusammen mit Ihren Mitarbeitern und Kunden feierten Sie ein grandioses Fest. Wie war die Resonanz?

Grandios!

Verschafft man sich mit dem Siegel „Made in Switzerland“ eigentlich automatisch einen Qualitätsvorteil?

Stephan Scholze: Ja, ich meine „Made in Switzerland“ ist ein Qualitätssiegel, wie auch „Made in Germany“. Aber gerade nach der Frankenschock-Krise im Januar 2015 hatte man auch das Siegel „überteuert“. Mittlerweile höre ich das nicht mehr. Schweizer Unternehmen haben sich angepasst und „Hausaufgaben“ erledigt. Jetzt heißt es wieder: „Top Qualität zu Top Preisen.“ Dass der Franken nun wieder etwas schwächer geworden ist, verschafft uns nun einen großen Kostenvorteil.  Aber die Kursschwankungen wird es in der Schweiz immer wieder geben.

Der Name Agathon kommt aus dem altgriechischen und bedeutet so viel wie „das/der Gute“. Als Firmengründer Leo Pfluger das Unternehmen 1918 gründete, hat er mit dem Namen anscheinend schon Zeichen gesetzt…

Michael Merkle: Tatsächlich hat Herr Leo Pfluger „das Gute“ in das Unternehmen impliziert. Qualität und Präzision werden hier gelebt, von der Produktentwicklung bis zum Service. Dieser Wert wurde generationsübergreifend weitergetragen und hochgehalten. Dafür steht Agathon auch heute noch.

Wenn Sie die kommenden Jahre in den Fokus nehmen. Wo sehen Sie die Herausforderungen?

Stephan Scholze: Als Hersteller von Maschinen, aber auch im Sinne unserer Kunden, die Wendeschneidplatten produzieren, werden wir mehr und mehr der Verknappung von Fachpersonal entgegensteuern müssen. Deshalb müssen wir Maschinen mit einer höheren Autonomie bieten. Auch innerhalb unserer eigenen Produktion erhöhen wir kontinuierlich unseren Automatisierungsgrad. Wir positionieren uns heute schon als Vorreiter in puncto Automation. Unter anderem haben wir ein App entwickelt, die dem Bediener ermöglicht, andere Arbeiten zu verrichten, ohne die Produktion aus dem Auge zu verlieren. Dass man die Produktion auf dem Smartphone hat, ist ein Novum. Die App ist einfach, nützlich und fokussiert auf die Essenz. Zukünftig wird es unsere Aufgabe sein, auch den Einrichter, die Wartung und den Service mit einer solchen Applikation zu unterstützen, um bedarfsgerecht Informationen zur Verfügung zu stellen. Weiterhin möchten wir die Internationalisierung von Agathon vorantreiben. Damit erhoffen wir uns einen direkten Marktzugang, direkten Vertrieb und die Nähe zu den Märkten.

Sehen Sie der aktuellen Marktentwicklung positiv entgegen?

Michael Merkle: Natürlich können wir die Krisen nicht voraussagen, aber derzeit befinden wir uns mit Agathon in einer perfekten Situation. Zweifellos kann der Boom jederzeit vorbei sein. Wir hoffen aber darauf, dass sich die Konjunktur hält und wenn, dann nur abkühlen und nicht abreissen wird. In den USA - man kann von Trumps Steuerreform halten was man will - können wir ein extrem gutes Wachstum verzeichnen. Die Investitionslaune scheint ungebrochen. Auch für den asiatischen Raum glaube ich an ein solides Wachstum. Die Mittelschicht wird wachsen und der Bedarf an Diamant oder PKD-Werkzeugen mit ihr. Die kommenden Monate sehen wir sehr positiv.

Woran arbeiten Sie gerade?

Stephan Scholze: Unser Ziel wird sein, die kinematischen Möglichkeiten unserer Maschinen bezüglich Schleifen noch zu vergrößern. Im Bereich des Lasers haben wir den ersten Schritt mit einer manuell beladenen Maschine gemacht. Auch hier werden wir in Zukunft mehr Autonomie anstreben, vor allem dann, wenn sich die Losgrößen erhöhen. Im Bereich der Normalien bewegen wir uns hin zu neuen Werkzeugkonzepten, flexiblen Werkzeuge, die adaptiv umrüstbar sind.

Was wird die Zukunft bringen?

Der Markt wird Maschinen benötigen, die einerseits sehr komplexe Aufgaben in sehr kleinen Losgrößen erledigen können und auf der anderen Seite so einfach bedienbar sind, dass sie nicht von extrem qualifizierten, langjährig erfahrenen Mitarbeitern betätigt werden müssen. Unsere zukünftige Aufgabe wird sein, diese beiden Pole zusammen zu führen: Bedienerfreundlichkeit, gute Assistenzsysteme, einfache Programmierung bei höchster Produktivität. Wir möchten die Brücke schlagen, zwischen anspruchsloser Bedienung und dem komplexen Produkt.

Welchen konkreten Nutzen versprechen Sie Ihren Kunden, wenn sie sich für den Kauf eine Agathon-Maschine entscheiden?
Michael Merkle: Zunächst einmal garantieren wir eine hohe Investitionssicherheit. Unsere Maschinen funktionieren sehr lange, zuverlässig und präzise und das im 3-Schicht-Betreib. Das bestätigen uns unsere Kunden immer wieder und dieser Aspekt ist ganz zentral für eine Kaufentscheidung. Falls sich Kunden für eine „Agathon“ entscheiden, können sie den Überraschungseffekt weitestgehend ausschließen. Wir bei Agathon stellen außerdem Technologien zur Verfügung, die ganz neue Applikationen ermöglichen, beispielsweise das Powergrindverfahren für das elektroerosive Abrichten. Damit können wir uns deutlich vom Wettbewerber unterscheiden.

 

Kurzportrait Dr. Stephan Scholze

Der gebürtige Stuttgarter fokussiert sich bei Agathon leidenschaftlich auf Forschung und Entwicklung und die Themen Digitalisierung und Industrie 4.0 sind für den 48-jährigen etwas ganz Selbstverständliches. Kreatives, freies Arbeiten sind für ihn und für sein Team unerlässlich. Er mag Menschen, die außergewöhnlich und unkonventionell denken und daher zu ganz neuen (Lösungs-)Ansätzen tendieren. Dass er die Entwicklungskette, angefangen von einer möglichen Idee bis zum tragfähigen Produkt, bei Agathon Stück für Stück mitgestalten kann, motiviert ihn am meisten. Privat verbringt er sehr gerne die Zeit mit seiner Frau und den beiden Kindern in den Schweizer Bergen, zu Fuß oder im Winter auf Skiern. Getreu seinem Motto: „Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Einsicht, dass etwas anderes wichtiger ist“, verlässt er gerne mal vertraute Strukturen und betritt für neue Projekte auch mal fremdes Terrain.

 

Kurzportrait Michael Merkle

Michael Merkle stammt ursprünglich aus Karlsruhe, aber schon nach seinem BWL-Studium zog es ihn nach China, wo er für Bosch die Marktverantwortung für Elektrowerkzeuge übernommen hatte. Anschließend absolvierte er an der renommierten Wirtschaftshochschule IMD in Lausanne seinen MBA. Danach war er in verschiedenen Geschäftspositionen im internationalen Maschinenbau tätig, zuletzt als Geschäftsführer bei einem Schweizer und weltweit führenden Anbieter für Laserschneidsysteme. Michael Merkle profitiert von seinen langjährigen Erfahrungen im Bereich Maschinenbau und setzt seine Führungsqualitäten gekonnt ein. Seine Mitarbeiter schätzen seine Authentizität und wissen, dass sie sich auf ihn verlassen können. Privat schätzt er sein großes Netzwerk an Freunden und verbringt gerne Zeit mit seiner Familie beim Wandern, Joggen oder Mountainbiken. Beeindruckend fand er vor zwei Jahren eine 6.000er Besteigung mit seinem Sohn im Himalaya. Diese Erfahrung würde er gerne in den nächsten Jahren, vielleicht in Südamerika, wiederholen.

 

 

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Firma: Agathon AG
Website: https://agathon.ch/