Diametal: Rapide Veränderungen im strukturellen und technologischen Bereich erforderten eine Diversifikation des Schweizer Werkzeugspezialisten

27. Mai 2021
Beat Kaufmann, Geschäftsführer der Diametal AG
Herr Beat Kaufmann: „Veränderungen werden nicht aus dem Marketing angestoßen, sondern sie sind das Ergebnis einer persönlichen, vertrauensvollen Zusammenarbeit mit dem Kunden vor Ort. "
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Drei Expertisen unter einem Dach vereinigt: Mit den Kernkompetenzen Abrasifs, Swiss Cutting Tool und Wear Parts verfügt Diametal über ein fundiertes und umfangreiches Know-how in der industriellen Präzisionsfertigung. Seit mehr als zwei Jahren ist Beat Kaufmann mit der verantwortungsvollen Aufgabe betraut, die Geschicke der Diametal Gruppe zu führen und für die nachfolgende Generation den Grundstein zu legen. Einerseits 85 Jahre Firmengeschichte mit langer Tradition und andererseits ständig neue Anforderungen am globalen Markt verlangen stetige Agilität und Innovationsfreudigkeit. Gerne stellt sich der 59-jährige Beat Kaufmann diesen Herausforderungen. Als langjähriger CEO im Bereich der Schneidwerkzeuge und seiner jahrzehntelangen Verkaufserfahrung kennt der gebürtige Schweizer die Anwendungstechnik von der Pike auf. Lange Zeit war Beat Kaufmann auch mit der Forschung und Entwicklung vertraut, aber am meisten gelernt hat er beim Kunden vor Ort.

In einem persönlichen Gespräch verrät Herr Kaufmann, welche tiefgreifenden Veränderungen bei Diametal in den letzten Monaten angestoßen wurden, und welche Herausforderungen er zusammen mit seinem Führungsteam angehen möchte und auch muss.

DIAMOND BUSINESS: Herr Kaufmann, im Mai 2019 wurden Sie vom Verwaltungsrat der Diametal Gruppe beauftragt, die Geschicke des Unternehmens zu führen. Wie überrascht waren Sie von dieser Führungsaufgabe und welche Herausforderungen galt es besonders am Anfang zu meistern?

Beat Kaufmann: Da ich die Situation der Diametal von außen betrachtet sehr gut kannte, wusste ich in etwa, was mich erwarten würde. Allerdings waren die Herausforderungen sehr breit gestreut. Hier möchte ich stellvertretend die zwei Bedeutsamsten herausheben:  Zum einen stand mit der Übernahme der SCT-Gruppe (BTBienne-Malesani) durch Diametal eine bis dahin schwierige Integration an. Von den anfänglichen Plänen bis zur Realisierung war es uns möglich, die Integration sowohl physisch (Reduzierung von drei Produktionsstandorten auf einem), als auch kulturell in nur sechs Monaten zu meistern. Wieder ein markanter Meilenstein für die Geschichte Diametal´s! Zum anderen bestand die maßgebende Aufgabe in der Restrukturierung, sprich in der strategischen Neuausrichtung der Diametal Gruppe. Bereits im Januar 2020 konnten wir dann die neue „Diametal“ vorstellen. Wesentlich war die Unterteilung seiner Aktivitäten in die drei elementaren Geschäftsbereiche (Abrasifs, Swiss Cutting Tool und Wear Parts). Die Komplexität des Produktprogrammes machte dies unbedingt notwendig. Schnelle, effektive und dynamisch maßgeschneiderte Lösungen für die kundenspezifischen Anwendungen und Anforderungen können nun fokussiert und passgenau entwickelt werden. Es ist unser definiertes Ziel für die Zukunft, der Spezialist für alle drei Bereiche zu sein.

Welcher Nutzen hat sich aus der Unterteilung der drei Kernkompetenzen ergeben?

Als ich 2019 bei Diametal angefangen habe, war ich von dem enormen technischen Fachwissen in diesem Unternehmen fasziniert. Leider waren sich nur Wenige dessen bewusst und nutzen diesen einzigartigen Wissens- und Erfahrungsschatz nur zum geringen Teil, sodass der Markt davon kaum profitieren konnte. Durch die Segmentierung der Kompetenzbereiche gelingt es nun, klar nach innen und vor allem nach außen zu kommunizieren. Mit dieser eindeutigen Positionierung können wir uns viel besser fokussieren und erreichen außerdem die Aufmerksamkeit unserer Kunden – die Botschaft kommt an. Alle drei Bereiche sind fachlich differenziert zu betrachten, sprechen andere Zielgruppen an und weisen keine einheitliche Dynamik auf… deshalb erwies sich dieser Schritt notwendig, logische und folgerichtig.

Wie sieht Ihr Tagesgeschäft heute aus?

Er unterscheidet sich im Wesentlichen nicht großartig von den anfänglichen Aufgaben. Wir befinden uns mit unserer Neuausrichtung erfreulicherweise auf halbem Weg. Nach den Großen, sehr sichtbaren Veränderungen arbeiten wir nun daran, unsere internen und externen Strukturen an unsere Strategie(n) anzupassen. Im Vordergrund der externen Maßnahmen stehen die Vertriebsaktivitäten, das heißt, wir legen unseren Fokus verstärkt darauf, beim Kunden vor Ort zu sein, zu beraten und die passende Lösung für dessen Anwendung zu finden. Dafür investieren wir verstärkt in qualifizierte und ambitionierte Mitarbeiter. Sodass unsere Kunden auf ein breites Vertriebsnetz zugreifen können.

Was fasziniert Sie an dieser verantwortungsvollen Aufgabe?

Es sind immer noch die drei gleichen Faszinationen, die mich antreiben: Die Technik, sprich die Passion für Werkzeuge und der damit verbundenen Schleiftechnik, die persönliche Challenge für neue, anspruchsvolle Aufgaben und vor allem die Zusammenarbeit mit Menschen, die das gleiche Ziel mit ähnlicher Leidenschaft und Hingabe verfolgen.

Neu renoviertes Gebäude der Diametal France

Was darf der Kunde unter „OneStep“-Ansatz verstehen?

Neben dem technologischen Ansatz und der herausragenden Produktqualität, spielen die damit verbundenen Dienstleistungen, wie z. B. die Lieferfähigkeit und -schnelligkeit eine entscheidende Rolle. Heute werden die Werkzeuge in mehreren Prozessschritten geschliffen. Im „OneStep“-Ansatz geht es darum, Werkzeuge in einem einzigen Prozessschritt, in einer Aufspannung zu fertigen. Aufwand und Geschwindigkeit werden dadurch erheblich optimiert und auch die qualitative Reproduktion wird bedeutend verbessert.

Kunden sind mehr und mehr an Komplettlösungen interessiert. Wie gehen Sie mit dieser Anforderung um?

Unsere Kunden stehen unter hohem Druck, wenn es um Produktivität und Auslastung geht. Damit bleibt häufig wenig Zeit, um Fertigungsprozesse zu optimieren oder neue Prozesse zu evaluieren. Hier setzt Diametal an. Mit dem Aufbau eines hochmodernen Technologie- und Applikationszentrums im letzten Jahr, bieten wir unseren Kunden eine umfassende Expertise an. Aus der Anforderung des Kunden erstellen unsere Ingenieure ein komplettes Zerspanungskonzept. Der Kunde erhält die entsprechenden Werkzeuge, die gefertigten Kundenteile und Einsatz- sowie Programmierdaten mit dieser neu geschaffenen Dienstleistung. Ein ähnliches Zentrum ist nun auch in unserem Werk in Oltingue für den Sektor Abrasifs im Aufbau.

Seit 2019 investiert Diametal große Summen in den Maschinenpark sowie in die verbesserte Infrastruktur des Unternehmens in Biel als auch in Oltingue (Elsass). Welcher Grundgedanke steht dahinter?

Diametal bereitet sich auf die Zukunft vor und setzt ein klares Zeichen für den Produktionsstandort Schweiz und Europa. Ein attraktives Arbeitsumfeld für die Mitarbeitenden, optimale Produktionsabläufe und hochautomatisierte Prozesse sind dafür Voraussetzung. Wir haben in den letzten zwei Jahren die Voraussetzungen oder besser gesagt das Fundament gelegt, um unsere langfristig aufgestellte Strategie abzusichern und ein unverzichtbarer Partner für unsere Kunden zu sein.

Eine Idee der Diametal Group besteht darin, den Mehrwert für die Kunden zu verbessern. Was heißt das konkret?

Unser Ansatz in allen drei Geschäftsfeldern ist immer ein technischer. Alle unsere Vertriebsmitarbeiter sind absolute Spezialisten auf ihrem jeweiligen Fachgebiet. So stellen wir sicher, dass wir immer auf Augenhöhe mit unseren Kunden diskutieren können, wenn Produktionsabläufe optimiert werden sollen. Kombiniert mit unseren Entwicklungsingenieuren und dem neu geschaffenen Applikationszentrum bieten wir dem Kunden eine sinnvolle und nutzbringende Gesamtlösung an.

Worin besteht für Sie wahrscheinlich die größte Herausforderung der kommenden Monate und Jahre?

Die Covid-19 Pandemie hat uns gezeigt, dass neue Kommunikationswege zu unseren Kunden erforderlich sind. Gerade dann, wenn es um Neukunden geht, erweist sich das aber noch als sehr schwierig. Persönliche Kontakte, gerade zu Beginn, sind und bleiben die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit. Langfristig müssen wir uns den sogenannten MEGA-Trends, wie zum Beispiel der Digitalisierung und der ökologischen Nachhaltigkeit stellen. Dafür müssen wir die nächste Generation von Mitarbeitenden gut ausbilden und eine entsprechende Kultur schaffen.

Welche Technologie (evtl. unabhängig vom beruflichen Diskurs) fasziniert Sie am meisten?

Ich bin von Natur aus ein sehr wissbegieriger Mensch. An erster Stelle stehen dabei die Anwendungen neuer Technologien und deren Nutzen. Hierbei hat zum Beispiel die Miniaturisierung der Elektronik und der Zugang zu einer benutzerfreundlichen Software in den letzten 20 Jahren der Menschheit Komfort und Sicherheit in einem nie dagewesenen Ausmaß gebracht. Aber meine Leidenschaft gehört nach wie vor den Werkzeugen und der Schleiftechnik.

Im Jahr 2022… Werden Sie Ihre Kunden auf der Grindtec oder der Grindinghub begrüßen?

Wir als Diametal haben uns entschieden 2022 an der neu geschaffenen Grindinghub teilzunehmen.

 

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Firma: Diametal AG
Website: https://www.diametal.com/

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