Diatec - nur die Performance zählt!

18. November 2019
Diatec Stefan Enderle
Kernkompetenzen werden immer wichtiger für Unternehmen, denn seit geraumer Zeit befinden wir uns im globalen Verdrängungswettbewerb.
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Schon allein deswegen ist es wichtig, sich mit allen Kräften auf diese zu konzentrieren, um damit Wettbewerbsvorteile zu generieren. Die Firma Diatec (Diamanttechnik GmbH) mit Sitz in Pforzheim am Nordrand des Schwarzwaldes hat sich seit einigen Jahren genau diese Unternehmensstrategie zu Nutze gemacht. Während man sich aber im Gründungsjahr 2008 noch auf die Herstellung von Diamantwerkzeugen jeglicher Art konzentrierte, setzt man seit wenigen Jahren nun ausschließlich auf das, was man am besten kann, nämlich auf die Produktion von MKD-Werkzeugen. PKD-, CVD-, CBN-, Abricht- und Hartmetallwerkzeuge finden sich aber nach wie vor im Portfolio des Unternehmens. Durch die Einbettung in die Meyco-Holding gelingt es, Fertigkeiten und Technologien in verschiedenen (Tochter-)Unternehmen zu bündeln und damit - breit aufgestellt – führender Lieferant aller Diamantwerkzeuge zu sein. Ähnlich jung wie das Unternehmen selbst ist der in Ettenheim gebürtige Geschäftsführer Stefan Enderle. Der 43-jährige kennt die Werkzeugherstellung von der Pike auf. Als gelernter Werkzeugmacher für den Formenbau entschloss er sich schon während seiner dreijährigen Ausbildungszeit für die Abendschule, absolvierte dort sein Fachabitur, um danach ein Studium zum Maschinenbau-Ingenieur anschließen zu können.

Warum ein mehrjähriger Auslandsaufenthalt in China sein ganzes Leben veränderte und welche Pläne er für Diatec in Zukunft hat, erfahren Sie im Interview.

DIAMOND BUSINESS: Herr Enderle, während Ihrer Ausbildung zum Werkzeugmechaniker für den Formenbau entschlossen Sie sich, die Abendschule zu besuchen, um Ihr Fachabitur nachzuholen. Was hat Sie letztendlich dazu bewogen?

Stefan Enderle: Ein Berufsschullehrer legte mir nahe, die Fachhochschule begleitend zu meiner Ausbildung zu besuchen.  Er war überzeugt, dass ich es schaffen würde und deshalb habe ich auch nicht an der Entscheidung meines Lehrers gezweifelt. Daher habe ich ohne zu zögern noch einmal die Schulbank „gedrückt“.

Mit Erfolg, wie ich sehe. Anschließend studierten Sie Maschinenbau und schon während Ihres Studiums waren Sie bereits für einen großen Werkzeughersteller tätig. 2006 standen Sie vor der Entscheidung, ein halbes Jahr nach China oder in die Vereinigten Staaten zu gehen. Was hat Sie dann schließlich dazu bewogen, die Herausforderung für China anzunehmen?

Klar… die Vereinigten Staaten wären auch verlockend gewesen, dennoch hatte ich das Gefühl, in China mehr bewegen und gestalten zu können. Die Aufgaben, die dort auf mich warteten waren sehr interessant. Im Nachhinein hat sich mein Gefühl auch bestätigt.

Aus geplanten 6 Monaten wurden schließlich sieben Jahre. Aus welchem Grund?

Nach dem Studium war ich bei einem Werkzeughersteller mit der Produkt- und Prozessentwicklung vertraut und für die Betreuung der BA-Studenten zuständig. Mit jeder Aufgabe, mit jeder Verantwortung, die ich bekam, wuchs meine Leidenschaft für meine Tätigkeit. In China sollte ich für den gleichen Arbeitgeber eine Produktion für die PKD-Fertigung aufbauen. Ich startete mit einem Mann und am Schluss hatte ich 25 Mitarbeiter. Es hat mich bereichert und mit Freude erfüllt, das Unternehmen wachsen zu sehen. Ich wollte nach sechs Monaten nicht wieder meine Zelte abbrechen. Nach vier Jahren wechselte ich innerhalb Chinas meinen Arbeitgeber. Es wuchs in mir der Wunsch, mein Tätigkeitsfeld komplett zu ändern. Ich verließ für drei Jahre den Werkzeugbereich und war ab sofort für Sicherheitstechnik, genauer gesagt für Abseiltechnik zuständig und geschäftsführend für hundert Mitarbeiter verantwortlich.

Als Sie dann nach sieben Jahren Auslandserfahrung wieder den Rückflug antraten, saßen Sie nicht mehr alleine im Flieger. Verantwortung hatten Sie nicht nur für Mitarbeiter übernommen, sondern mittlerweile auch für eine vierköpfige Familie…

Ja tatsächlich habe ich meine große Liebe in China kennenlernen dürfen. Zwei meiner Kinder kamen bereits in Asien zur Welt und meine Tochter vor drei Jahren in Deutschland. Ich bin sehr dankbar, dass meine Frau den Mut hatte, hier mit mir in Süddeutschland Fuß zu fassen. Ohne Ihre Bereitschaft wäre ich sicherlich in China geblieben.

Diatec Diamanttechnik

2014 haben Sie das Angebot bekommen, Geschäftsführer der Diatec GmbH in Pforzheim zu werden. Sie standen vor einer großen Herausforderung und trotzdem haben Sie spontan entschieden, diesen Weg zu gehen. Was hat Sie motiviert?

Ich bekam das Angebot, Diatec zu führen. Da ich mit der Werkzeugherstellung tief verbunden bin, musste ich nicht lange überlegen. Ich darf hier in Pforzheim selbstbestimmt arbeiten und habe sehr viele Freiheiten, die ich sehr zu schätzen weiß. Das motiviert mich immens. Aber zunächst musste ich mit Diatec von 2014 bis 2016 durch eine richtige Talsohle gehen. Es standen Umstrukturierungen und leider auch Entlassungen an. Seit dem Gründungsjahr 2008 verfolgte Diatec das Ziel, alle Diamantwerkzeuge „in house“ zu fertigen. Das war natürlich mit hohen Fertigungskosten verbunden und nicht wirklich rentabel. Seit 2017 geht es nun wieder stark bergauf. Jedes Jahr wachsen wir im zweistelligen Bereich. Wir haben die Kapazitäten erhöht und können deshalb schneller liefern.

In Pforzheim produzieren Sie nur noch MKD-Werkzeuge. Was zeichnet diese Werkzeuge aus?

Monokristalliner Diamant (MKD) besitzt die größte Härte aller Stoffe und wird meist für die Feinstarbeit verwendet. Die extrem scharfen Schneiden mit einem Radius, der kleiner als 1µm ist, lassen Oberflächen-Genauigkeiten kleiner RZ 0,02µm zu. Die Schneidenschärfe erzeugt bei der Zerspanung nur einen ganz geringen Schnittdruck ohne jede Wärmeentwicklung. Dadurch hat der monokristalline Diamant eine maximale Verschleißbeständigkeit und das Werkzeug damit eine lange Standzeit.

Welche Branchen decken Sie ab?

Wir sind mit sechzig Prozent in der optischen Industrie. Wir produzieren beispielsweise Werkzeuge zur Fertigung von Brillengläsern, Kontaktlinsen und Intraokularlinsen. Auch der Bereich der Elektrooptik ist sehr stark am Wachsen. Ferner finden wir uns noch im Bereich der Schmuck- bzw. Luxury-Artikel. Nicht zuletzt auch im Kunststoffbereich, in der Plexiglasbearbeitung und Hochglanzbearbeitung.

Wo entdecken Sie die Chancen im Markt?

Als unser Kerngeschäft hat sich die optische Industrie herauskristallisiert. Der Markt verlangt mehr und mehr nach optischen Oberflächen. Hier kommen dann auch unsere Werkzeuge zum Einsatz. Durch den demographischen Wandel und die älter werdende Bevölkerung wächst die Nachfrage nach Brillen und nach Linsen zur Behandlung des Grauen Stars. Auch für Trauringe wird in den letzten Jahren viel mehr Geld investiert. Glücklicherweise macht uns das unabhängiger von der Automobilindustrie.

Sehen Sie hier eine gewissen Bedrohung für den Standort Deutschland?

Auf jeden Fall. Die gesamte Automobilproduktion wird im Moment nach unten gefahren und schlecht geredet. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, dass die Politiker die Produktion in Deutschland gänzlich einstellen möchten. Wovon leben wir dann? Umweltschutz ist bestimmt wichtig, trotzdem sollten wir mit Bedacht an das ganze Thema herangehen. Wenn wir unseren Wohlstand insgesamt in Deutschland verlieren, könnte in extreme Richtungen gewählt werden. Das Szenario hatten wir ja schon mal. Der Klimawandel lässt sich meiner Meinung nach nicht mehr aufhalten. Wir können zwar einiges dafür tun, aber nicht die ganze Welt retten durch unser „klimafreundliches“ Verhalten hier in Deutschland. In Zukunft können wir uns nur noch anpassen. Alles andere ist gelogen. Und der Elektromotor bietet auch keinen Ausweg aus dem Dilemma. Gerade im Moment werden einfach blindlings Entscheidungen getroffen, die extrem verunsichern und langfristig keine gute Lösung bieten.  

Welche Herausforderungen gibt es in den nächsten Jahren für Diatec zu meistern?

Unsere Werkzeuge sind im Prinzip „Handarbeit“- made in Germany. Unser Qualitätsstandard ist jetzt schon sehr hoch und muss zukünftig noch weiter gesteigert werden. Aufgrund der Fertigungsart der PKD-Werkzeuge lassen sich diese etwas einfacher kopieren, während gerade beim Diamantschleifen sehr viel von Hand gemacht wird. Einige Hersteller legen Wert auf hohe Gleichmäßigkeit, Glanz und Güte. Hier können wir punkten, aber trotzdem gilt es, immer noch besser zu werden. Mitarbeiter brauchen sehr lange, bis sie die ganze Materie verstehen und sind nicht leicht ersetzbar. Das stellt uns immer wieder vor neue Herausforderungen.

In welchen Ländern liegen ihre wichtigsten Absatzmärkte?

Grundsätzlich im europäischen Raum, allerdings wird auch der amerikanische Markt immer interessanter für uns. Seit 2017 haben wir nun auch einen Partner in den USA, der für uns nachschleift. Wir haben ihn hier vor Ort eingelernt und trainiert. Die Nachfrage ist da und der Markt verlangt auch Wettbewerb. Natürlich verkaufen wir auch nach Indien, aber wir gehen nicht gezielt dort in die Märkte rein. Preise sind dort wichtiger als die Qualität.

Wie sehen die Produkte der Zukunft aus?

Die eingesetzten Werkstoffe werden zunehmend interessanter. Wir arbeiten mit verschiedenen Hochschulen und Universitäten zusammen. Die Kooperation mit Hochschulen und Maschinenherstellern verspricht eine Win-win-Situation für alle Partner.

Um welche Werkstoffe geht es konkret?

Beispielsweise um Germanium, Silizim, Faserverbundwerkstoffe, alle Arten von neuen Kunststoffen.

Welche Pläne haben Sie für Diatec in den kommenden Jahren?

Gerade in der optischen Industrie ist der Markt weiter am Wachsen und er verlangt nach höheren Güten und Genauigkeiten. Deshalb haben wir in jüngster Zeit auch stark in neue Messtechnologien gesetzt. Damit sind wir in der Lage, den Ansprüchen des Marktes gerecht zu werden. Mein Ziel ist es, mehr in Vertrieb und Außendienst zu investieren, um größere Marktanteile zu erreichen. Gerade im MKD-Bereich strebe ich ein gesundes Wachstum an.

Was macht den Reiz an Ihrer Tätigkeit aus?

Die Freiheit, Ideen, die man hat, auch umsetzen zu können. Natürlich auch der Erfolg, auf den Diatec in den letzten Jahren zurückblicken kann und das Vertrauen, das mir von den Gesellschaftern entgegen gebracht wird.

Was würden Sie gerne einmal in Ihrem Leben tun?

Tatsächlich würde ich mich gerne einmal auf ein Experiment einlassen, um für mehrere Wochen die Lebensgemeinschaft mit den Amish People zu teilen, die immer noch wie vor 300 Jahren ganz auf technische Errungenschaften im Leben verzichten. Ich glaube, dass wir alle sehr viel von Ihnen lernen könnten.

Zum Beispiel?

Vielleicht den Umgang mit unseren Ressourcen? Es gibt viel, was bei uns verschwendet wird, sei es geschäftlich, privat oder global gesehen. Es wäre spannend, zu sehen, wie diese Menschen mit einfachsten Mitteln ihr Leben meistern.

Und wofür sind Sie dankbar, Herr Enderle?

Dass meine Frau den Mut hatte, mit mir nach Deutschland zu gehen und dafür, dass ich die Chance bekommen habe, die Geschicke von Diatec selbstbestimmt leiten zu dürfen.

 

Sie finden den vollständigen Artikel in der nachfolgenden Pdf-Datei.



Firma: Diatec Diamanttechnik GmbH
Website: https://www.diatec-pforzheim.de/index.php

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