Einmal Vollmer – immer Vollmer!

19. März 2020
Vollmer Stefan Brand
Seit 111 Jahren sind wir ein Familienunternehmen mit einem ausgewogenen Mix aus Tradition und Innovation!
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In zwei bis drei Jahren zieht Vollmer in eine zukunftsorientierte und innovative Fabrik, die auf der grünen Wiese in Biberach entstehen wird – nur einen Steinwurf vom bisherigen Standort entfernt. Noch in diesem Jahr sollen die Bagger anrollen und das trotz des derzeit stotternden Konjunkturmotors. Diamond Business sprach mit Stefan Brand, dem Geschäftsführer von Vollmer, über Tradition und Zukunft, Innovationsgeist, Märkte und Strategie des Maschinenbauers.

DIAMOND BUSINESS: Wie war das Jahr 2019 für Sie?

Dr.-Ing. Stefan Brand: Zweigeteilt. Betrachten wir den Umsatz, schließen wir besser ab als 2018. Das liegt an dem sehr hohen Auftragsbestand, den wir abarbeiten konnten. Auch ertragsmäßig erzielen wir das Niveau des Vorjahres. Allerdings spüren wir auch deutlich die konjunkturelle Abkühlung der globalen Wirtschaft.

In Berlin wird zur Zeit viel diskutiert. Welche politischen Weichenstellungen würden Sie sich wünschen?

Als Vollmer geht es uns darum, dass politische Entscheidungen zukunftsorientiert sind. Das gilt nicht nur für wirtschaftliche Rahmenbedingungen, sondern auch gesellschaftliche Aufgaben wie etwa den Klimaschutz. Klimaschutz ist für mich ein persönliches Anliegen und auch ein unternehmerisches Ziel. Aus diesem Grund planen wir unseren Neubau als klimaneutrale Fabrik mit Geothermie, Photovoltaik oder auch papierlosem Büro. Gleichzeitig denke ich, dass die Politik nicht vorschnell Errungenschaften oder Technologien wie etwa den Dieselantrieb abschreiben sollte. Den Diesel halte ich nach wie vor für einen effizienten Antrieb und selbst Kritiker sehen seinen Einsatz noch bis 2050 als unabdingbar. Die Politik sollte dafür sorgen, dass wir bei keinem Thema in einer Schwarzweiß-Diskussion enden, egal ob gesellschaftlich oder wirtschaftlich.

Apropos Wirtschaft, wie stark trifft Sie der aktuelle Konjunkturabschwung?

Wir spüren einen deutlichen Auftragsrückgang, befinden uns aber im weltweiten Trend. Wenn man sich die VDW-Zahlen betrachtet, liegen wir gegenüber dem extrem guten Vorjahr bei einem Minus von größer als 25 Prozent. Wie wir darauf reagieren, stimmen wir eng mit unserer Belegschaft ab. Generell gilt: Vollmer hat in 111 Jahren schon viele Krisen gemeistert, deshalb ist uns nicht bange. Wir sind eine große Familie.

Vollmer Technologie- und Dienstleistungszentrum

Sie wollen trotzdem neu bauen?

Richtig, weil wir heute schon an die kommenden Generationen denken. Unser Neubau ist keine kurzfristige Entscheidung, seit über zwei Jahren arbeiten wir mit mehr als 60 Mitarbeitern an dem Projekt. Es wird das größte Investment der Firmengeschichte und die Zukunft von Vollmer sichern, davon sind wir überzeugt. Aus diesem Grund wollen wir noch in diesem Jahr den Grundstein des Neubaus legen.

Aber jetzt ist natürlich ein bisschen Achtsamkeit geboten?

Achtsamkeit ist immer geboten, in guten und in schlechten Zeiten. Deshalb haben wir den Neubau solide geplant und eng mit dem Aufsichtsrat abgestimmt. Das neue Firmengebäude ist wichtig für unsere Entwicklung, die am bisherigen Standort so nicht möglich gewesen wäre. In dem neuen Gebäude können wir mehr Transparenz und Offenheit leben. Es gibt nur wenige Büros mit Türen, alle anderen sind offen. Beispielsweise hat unserer Entwicklungsleiter gesagt, dass er gar kein Büro benötigt, da er meistens in Projektteams ist. Und wenn er ein stilles Plätzchen zum Telefonieren braucht, kann er sich in entsprechende Räume zurückziehen.

Ist es aus Ihrer Sicht trotzdem der richtige Zeitpunkt für dieses große Projekt?

Wenn man so will, gibt es nie den richtigen Zeitpunkt für einen Umzug und natürlich müssen wir die aktuellen Entwicklungen berücksichtigen, aber was wir heute mit viel Kraft angehen, wird uns morgen zugutekommen. Wenn die Konjunktur wieder anzieht, sind wir bestens vorbereitet. Zudem würde die Alternative bedeuten, am alten Standort weiterzumachen und jahrelang auf einer Baustelle zu arbeiten. Das neue All-in-One-Konzept vereint alles in einem Gebäude, das mehrere Ebenen hat, wodurch wir kurze Wege mit einem perfekten Material- und Informationsfluss bekommen. Darüber hinaus bebauen wir vorerst nur etwa die Hälfte der erschlossenen 100.000 Quadratmeter und können flexibel erweitern. Neben dem erwähnten Klimaschutz verwirklichen wir dort moderne Arbeitswelten, die gerade junge Leute ansprechen. Besonnenheit ist für das Konzept oberstes Gebot, so wird die Digitalisierung eine zentrale Rolle spielen, allerdings nicht als Dogma, sondern wird überall dort genutzt, wo es sinnvoll ist.

Der Draht der VPulse 500 wird dicht an das Werkstück geführt, bis ein Funke überspringt und das PKD-Material abträgt.

Aber das alte Gebäude schaut noch so neu aus?

Tatsächlich haben wir dieses Technologie- und Dienstleistungszentrum erst 2009 gebaut. Aber Ihre Frage weist bereits auf ein zentrales Problem hin, da Sie in der Einzahl sprechen. Hier am alten Standort gibt es nicht ein Gebäude, sondern viele. Diese Gebäude sind über Generationen hinweg zusammengewachsen. Ich könnte Ihnen Mauerwerk zeigen, das schon vor dem Krieg hier stand.

Wie fügt sich das neue Gebäude in die Gesamtstrategie von Vollmer?

Der Neubau ist Teil unseres Strategieprozesses, bei dem wir uns gefragt haben, wohin die Reise im 21. Jahrhundert gehen soll. Zuerst haben wir uns auf Wachstumsmärkte fokussiert. So wurde unser Metallbereich ausgebaut und der Holzbereich, aus dem Vollmer historisch kommt, konsolidiert und gefestigt. Nach wie vor haben wir einen hohen Marktanteil im Segment der Holzwerkzeuge, diesen gilt es zu erhalten. Wir sehen allerdings, dass im Bereich der Metallwerkzeuge weitere Wachstumspotenziale für uns liegen.

Also mehr Fokus auf die Präzisionsindustrie?

Präzision ist für die Holz- und Metallindustrie unabdingbar, allerdings ist der Markt für Metallwerkzeuge deutlich größer. Wir führen unsere Erfahrungen aus beiden Bereichen zusammen. Die Fähigkeit, komplexe Holzprofilwerkzeuge mit der Genauigkeit metallschneidender Zerspanwerkzeuge in einer Schärfmaschine zu fertigen, ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Dass wir unser Wachstum im Metallbereich forcieren, erkennen Sie zum Beispiel an der Maschine VGrind, mit der wir uns vor einigen Jahren im Markt des Werkzeugschleifens positioniert haben.

Und der Standort Biberach ist ungefährdet?

Das zeigt doch unser Neubau. Der neue Standort ist nur zwei Kilometer Luftlinie vom alten entfernt.

Werkzeughersteller können mit der Schleif- und Erodiermaschine VHybrid 360 von Vollmer sowohl Standard- als auch Sonderwerkzeug flexibel zu je 100 Prozent schleifen und erodieren.

Was sagt Fräulein Sieglinde Vollmer zu diesen großartigen Plänen?

Ihr Credo ist: „Das Unternehmen muss weiter existieren und die Idee meines Vaters weiterleben.“

Gibt es denn jetzt auch alsbald den Vollmer Laser, den „VLaser“?

Unser Maschinenkonzept für die VLaser 270 stellen wir erstmals auf der GrindTec 2020 vor. Mit der Lasertechnologie wird Vollmer zum Fullliner für die Werkzeugbearbeitung. Wir decken dann die drei Disziplinen Schleifen, Erodieren und Lasern ab. Auf der GrindTec ist außer der VLaser und der VGrind auch die VHybrid mit dabei, sie kombiniert das Schleifen und Erodieren von Diamantwerkzeugen. Da wir in diesem Jahr auf 111 Jahre Unternehmenserfahrung blicken, nutzen wir diese Zahl auch für die Kommunikation: Die drei „Einsen“ stehen für die drei Technologien Schleifen, Erodieren und Lasern.

Welche Vorteile hat denn die neue Lasermaschine von Vollmer gegenüber den Bestehenden?

Gegenüber Lasermaschinen der Mitbewerber wollen wir nicht nur mit hoher Produktivität und gutem Preisleistungsverhältnis punkten, sondern auch mit dem ganzheitlichen Ansatz als Fullliner. Mit dem Laser decken wir die komplette Wertschöpfung der Werkzeugfertigung ab und er ergänzt sinnvoll unsere Schleif- und Erodiermaschinen. Beim Laser haben wir unsere Erfahrung aus dem Präzisionsmaschinenbau eingebracht. Wie auch bei der VGrind zeichnet sich die VLaser 270 durch eine innovative Kinematik aus, die auf Basis der C-Achse das Werkzeug stets im Mittelpunkt des Brennpunkts hält, um mit möglichst wenig Bewegung eine Schneidkante hochpräzise und stabil zu bearbeiten.

Die Besonerheit aller VGrind Varianten ist das wegweisende Prinzip der Mehr-Ebenen-Bearbeitung

Die GrindTec ist auch die wichtigste Messe für Sie?

Definitiv. Wir stellen dieses Jahr auf rund 800 Quadratmeter aus.

Wenn Sie sich Ihre Märkte anschauen: Wo würden Sie sagen, ist der wichtigste Markt?

Nach wie vor spielt der deutschsprachige Markt eine große Rolle, weil hier die Headquarters großer Werkzeughersteller sind. Allerdings positionieren wir uns global, da auch andere Unternehmen nicht an Ländergrenzen Halt machen. Außerhalb Europas bedienen wir sehr stark die Märkte in China und Amerika.

Welche Strategien verfolgen Sie gegenüber Ihren Mitbewerbern am Markt?

Wir wollen durch Qualität und Leistung überzeugen. Und wir wollen Systemanbieter sein, der vollständige Service bietet: von der ersten Beratung bis zur Entsorgung der Maschine. Sukzessive kommen auch digitale Services dazu. Dach dieser Strategie sind unsere Werte: Vollmer steht für Hingabe und Freude zur Perfektion.

Gibt es jetzt außer dem Laser noch eine Neuheit im Unternehmen?

Nicht nur eine Neuheit. Was die Maschinen betrifft, ist die VGrind 340S eine weitere Neuheit, um Kleinstwerkzeugen ab 0,3 Millimeter Durchmesser zu bearbeiten. Auch die Erodiermaschine VProfile zum Abrichten von Diamantschleifscheiben ist neu und die VHybrid haben wir erst seit sechs Monaten im Programm. Neu sind auch unsere Digitalisierungslösungen, egal ob es um Industriestandards, IoT-Anwendungen oder Smartphone-Apps für die Instandhaltung geht.

Die USA als Unsicherheitsfaktor: Spielt das eine Rolle für Vollmer?

Die USA sind ein großer Markt für uns. Noch in diesem Jahr werden wir dort unsere neue Niederlassung in Findlay Township in Pennsylvania beziehen, die dreimal mehr Fläche als der bisherige Firmensitz bietet. Vollmer ist seit 1976 in den USA vertreten, temporäre Unsicherheiten der Politik betrachten wir zwar, lassen uns aber nicht verunsichern. Mit rund 30 Mitarbeitern vor Ort wollen wir noch effizienter unsere nord- und südamerikanischen Kunden betreuen und Innovationen rund um Werkzeugschleifen und Digitalisierung vorantreiben.

Ein Blick in das Technologie- und Dienstleistungszentrum von Vollmer in Biberach

Wie müssen die Produkte in Zukunft aussehen, um erfolgreich am Markt abgesetzt werden zu können?

Mit den bestehenden Bearbeitungstechnologien sind die physikalischen Prozessgrößen weitestgehend ausgereizt. Um weitere Optimierungen zu erhalten, fällt unser Blick auf die Nebenprozesse. Hier sehe ich vor allem, dass Maschinen durch Automatisierungen miteinander vernetzt werden können, um Prozessketten zu verkürzen. Außer der Automatisierung gehören zu den Nebenprozessen auch das Messen oder die Digitalisierung.

Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen?

Betriebswirtschaftlich ist das Thema TCO (Total Cost of Ownership) ein Schwerpunkt. Uns geht es nicht darum, der günstigste Anbieter zu sein, sondern der verlässlichste. So liefern wir beispielsweise noch Ersatzteile für sehr alte Maschinen und legen Wert auf langlebige Maschinen. Qualität hat uns groß gemacht und dies wollen wir noch stärker hervorheben, so sind beispielsweise Produktionsunterbrechungen bei unseren Maschinen extrem selten. Ein anderer Schwerpunkt ist das Personalmanagement. Wir sind in einer Region mit einer Arbeitslosenquote von weniger als zwei Prozent. Deshalb wollen wir für unsere Mitarbeiter auch weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber sein. Hierfür stärken wir unseren Teamgeist und leben die Devise „Einmal Vollmer – immer Vollmer“. So investieren wir sehr in die Ausbildung und haben aktuell 72 Auszubildende mit einer 100-prozentigen Übernahmegarantie. Das ist unsere Zukunft.

Sie waren lange Zeit nicht zertifiziert, fast unvorstellbar in der Branche... und haben trotzdem in die Automobilindustrie geliefert.

Die Zertifizierung haben wir mittlerweile nachgeholt. Aber das ändert nichts an unserem Grundsatz, der schon immer galt: Qualität muss gelebt werden, nur ein Stempel alleine kann das nicht bestätigen.

Was ist das Besondere an Vollmer?

Die Antwort auf diese Frage können Sie in dem Interview oben nachlesen. Aber Spaß beiseite, das Besondere an Vollmer ist: Seit 111 Jahren sind wir ein Familienunternehmen mit einem ausgewogenen Mix aus Tradition und Innovation. Wir sind der Generalist, der wie ein Spezialist arbeitet. Das hat Vollmer nicht nur zum globalen Technologieführer gemacht, sondern auch zum verlässlichen Partner für Kunden, Gesellschafter, Stakeholder und Mitarbeiter. Das ist unser Markenbild. Wir stehen zu Oberschwaben und wissen, woher wir kommen und wohin wir wollen. Wir stehen zusammen, das macht uns besonders.

Sie finden den vollständigen Artikel in der nachfolgenden Pdf-Datei.



Firma: Vollmer Werke Maschinenfabrik GmbH
Website: https://www.vollmer-group.com/de/

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