Helmut Miller - Unermüdlich, kreativ und leidenschaftlich

19. September 2019
Helmut Miller, Inhaber und Geschäftsführer von MK-Tools
Selfmade-Man, Praktiker, Stratege, Optimist, Pionier oder Entwickler. Jede dieser Bezeichnungen würde man dem findigen Maschinenbau-Ingenieur zuordnen können.
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Mit knapp 65 Jahren startete der gebürtige Baden-Württemberger mit MK-Tools noch einmal neu durch. Durch den konsequenten Einsatz neuester Technologien, durch umfangreiche Investitionen im Maschinenpark und mit Hilfe seiner engagierten Mitarbeiter ist MK-Tools zum gefragten Hersteller von VHM-Sonderwerkzeugen, Bohrern und PKD-Werkzeugen geworden. Der Standort der Fertigung ist in Hauzenberg, sein Vertriebs- bzw. Ingenieurbüro  befindet sich in Illertissen.

Immer wieder begegnet man Menschen, denen scheinbar alles einfach vor die Füße fällt: Ob beruflich oder privat – alles was sie anfassen, gelingt und wird zum Erfolg. Man selbst steht fassungslos daneben und fragt sich: Wie machen die das? Ein hundertprozentiges Erfolgsrezept gibt es dafür zwar nicht, allerdings stellte der Harvard-Professor Shawn Achorie während seiner Untersuchungen über Jahre hinweg fest: Menschen werden nicht glücklicher, indem sie erfolgreicher werden, sondern es ist genau umgekehrt: Wer glücklich ist, wird auch erfolgreicher und schöpft sein wahres Potenzial voll aus. Diese Menschen arbeiten produktiver, suchen nach intelligenten Lösungen, die Kreativität verstärkt sich und auch der Energielevel steigt an. Helmut Miller scheint einer dieser glücklichen und damit erfolgsverwöhnten Menschen zu sein. Mit großer Leidenschaft hat er sich als namhafter Werkzeughersteller jahrelang verdient gemacht und eigentlich würde man meinen, dass er sich nun zur Ruhe setzen könnte. Doch alles kam anders als geplant. Warum der passionierte Maschinenbau-Ingenieur einen zweiten Sprung in die Selbständigkeit wagte, was ihn antreibt und was Hochlandrinder mit seinem Betrieb in Hauzenberg zu tun haben, erklärt der Visionär in folgendem Interview.

PKD-Werkzeuge in Premium-Qualität

DIAMOND BUSINESS: Herr Miller, 2005 haben Sie Ihr damals eigentlich noch junges Unternehmen „Miller Präzisionswerkzeuge“, welches 1991 von Ihnen gegründet wurde, an Mapal verkauft. Damals waren Sie Mitte 60 und eigentlich hätte man vermutet, dass Sie sich als Privatier endlich den Dingen widmen könnten, die möglicherweise ein Leben lang zu kurz gekommen waren. Warum haben Sie damals verkauft und weshalb haben Sie dann nochmal einen Neustart mit MK-Tools gewagt?

Helmut Miller: Sehen Sie, das Unternehmen war so groß geworden und da ich keine Nachkommen habe, erschien es mir sinnvoll, mich zur Ruhe zu setzen. Eigentlich wollte ich einen Bauernhof in Südfrankreich erwerben und das Leben dort in vollen Zügen genießen. Aber ich habe dann doch sehr schnell festgestellt, dass die hochsommerlichen Temperaturen mir und meinen Tieren nicht gefallen würden. Deshalb habe ich dieses Vorhaben schnell über Bord geworfen. Golf spielen wäre zwar auch eine Alternative gewesen, aber auf Dauer doch zu langweilig. 2001 hatte ich zusammen mit Stephan Kinateder die Firma MK Tools im Bayerischen Wald gegründet, einen Nachschärfbetrieb für Vollhartmetall-Werkzeuge. Deshalb auch der Name MK Tools (Miller-Kinateder). Dieser Betrieb wurde 2005 aber nicht an Mapal verkauft. Eines Tages traf ich zwei ehemalige Mitarbeiter von mir, meine wichtigsten Ingenieure und beide waren sofort von der Idee begeistert, mit der Produktion von VHM- und PKD-Werkzeugen zu starten. 2005/2006 haben wir dann im Nachschärfbetrieb in Hauzenberg mit der Produktion begonnen und bereits im Jahr 2008 die erste Halle gebaut. Mittlerweile arbeiten in Hauzenberg wieder über 80 Mitarbeiter und Pläne für einen Neubau in Millionenhöhe liegen in der Schublade. Aber die habe ich jetzt erst mal auf Eis gelegt.

Was meinen Sie damit?

Im Moment bin ich tatsächlich etwas vorsichtig. Ich spüre, dass die Wirtschaft sukzessive nach unten geht und Steigerungen von 20 oder mehr derzeit nicht mehr zu erwarten sind.  Die politischen Entscheidungen haben dazu beigetragen. Ich rieche das schon.

Das heißt konkret?

Der beste Motor, den Deutschland bieten kann, ist nach wie vor der Diesel-Motor. Da bin ich fest davon überzeugt. Er ist immer noch der günstigste, der effektivste und umweltfreundlichste Antrieb. Der viel beschworene CO2-Ausstoß ist bei der Herstellung eines E-Cars um ein Vielfaches höher. Der Abbau der seltenen Erden für die Batterieherstellung ist eine große Umwelt-Katastrophe und über die Entsorgung der Batterien hat sich noch kein Mensch ernsthaft Gedanken gemacht. Ist der Diesel-Motor erst mal am Boden, wird es dann dem Benzinmotor an den Kragen gehen. Auch die Energie für den Antrieb kommt größtenteils aus Kohlekraftwerken oder aus der Atomenergie. Die Politik in Deutschland wird leider hauptsächlich nur noch von der EU gesteuert. Für die deutsche Wirtschaft ist das aber ein großes Fiasko. Ich habe da so meine Zweifel an den politischen Entscheidungen in Deutschland. Jeder setzt nur noch auf die vermeintlich „saubere“ Elektromobilität ohne Rücksicht auf Verluste.

Beim E-Antrieb werden deutlich weniger spanend zu bearbeitende Bauteile benötigt, oder?

Klar, wir brauchen keine Getriebe mehr, keine Motoren. Normalerweise müssen bei einem Auto um die 4.000 Teile gefertigt werden, bei einem Elektro-Auto sind es aber nur noch um die 400. Ausnahme bilden natürlich die Hybridmotoren. Das ist aber wieder ein ganz anderes Thema.

Wie ich Sie einschätze haben Sie bestimmt schon einen passenden Masterplan in der Tasche…

Wir richten unseren Fokus nun verstärkt auf die Luftfahrt- und Medizintechnik. Schon seit einigen Jahren haben wir damit begonnen. Gerade jetzt ist es sinnvoll auf verschiedenen Standbeinen zu stehen. Hohe Investitionen tätigen wir allerdings nur noch mit größter Sorgfalt. Nicht nur wir, auch andere. Dieser Investitionsstau wird die gesamte Wirtschaft mittelfristig beeinflussen.

Jetzt gehören Sie ja schon zu den eher reiferen Semestern. Trotzdem sehe ich Ihre ungebrochene Schaffensfreude und spüre Ihren Enthusiasmus. Woher nehmen Sie Ihre Energie?

Ich sehe meine Geschäftsführertätigkeit nicht als Arbeit und habe sie auch seltenst als belastend empfunden. Mich begeistert die Aufgabe als Werkzeughersteller tätig zu sein, ich möchte Dinge bewegen und immer wieder Neues schaffen. Geld war für mich noch nie wichtig, ich hatte immer genügend zur Verfügung und habe deshalb nie einen Cent von der Bank an Darlehen gebraucht. Das gab mir natürlich immer eine gewisse Freiheit, Dinge für mich oder für das Unternehmen zu entscheiden. Stolz bin ich auf meine sehr guten Mitarbeiter, die das Tagesgeschäft übernehmen. Ich arbeite viel lieber an der Firma als in der Firma, erstelle Planungen und Finanzierungen. Ideen für Neuentwicklungen entstehen am Golfplatz oder zu Hause am großen Esszimmertisch, der zwischenzeitlich immer wieder mal zum Arbeits- und Denkplatz umfunktioniert wird – zum Leidwesen meiner Frau. Nur noch bei wichtigen Dingen fahre ich zum Kunden, den Rest machen meine Jungs. Die haben volle Handlungsfreiheit, die sie auch zu schätzen wissen. Dafür werden sie gut bezahlt und haben exklusive Firmenwagen.

Weltneuheit aus dem Hause MK-Tools

Sie sprechen von Neuentwicklungen. Welche meinen Sie insbesondere?

Zum Beispiel habe ich jetzt einen neuen Bohrer entwickelt, dieser hat anstatt nur zwei jetzt vier Schneiden. Der „Rambo-Drill“ überzeugt mit hoher Schnittfreudigkeit, -genauigkeit und präziser Zentrierung. Er ist eine Weltneuheit und durch diese Innovation konnten wir nicht nur unsere bisherigen Kunden begeistern, sondern auch viele interessierte Neukunden hinzugewinnen. Wir sehen uns als beste Innovationsgeber der Branche.

Gerade im Bereich der Zerspanung tummeln sich ja etliche Mitbewerber im Markt. Wo reihen Sie sich ein?

Mein Ziel ist es, Premium-Werkzeuge für den Markt zu kreieren, innovativ zu bleiben und aus der Nische zu agieren. Es liegt mir fern, 10.000 Fräser zum günstigsten Preis herzustellen. Das ist bestimmt nicht meine Absicht. Aufgrund der übersichtlichen Firmengröße sind wir äußerst agil, flexibel und garantieren die kürzesten Lieferzeiten am Markt. Wir fertigen rund um die Uhr, 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche. Kunden, die einmal bei uns gekauft haben, sind von MK-Tools überzeugt und bleiben uns auf Dauer treu. Mehr als 200 Mitarbeiter sollten es aber nicht werden.

Woran arbeiten Sie gerade?

Der Anteil an PKD-Werkzeugen, der unser Haus verlässt, beträgt derzeit 20 Prozent. Diese Quote wollen wir steigern, indem wir die modernste PKD-Fertigung aufziehen, die es aktuell gibt. Bis jetzt ist es teilweise noch sehr umständlich und aufwändig, Werkzeuge aus PKD zu fertigen. Ich bin gerade dabei, ein Programm zu entwickeln, um mit einer Vollautomation zu starten.

Womit kann MK-Tools noch überzeugen?

Seit einem Jahr sind wir einer der besten Anbieter von PVD-Beschichtungen am Markt, die wir selbst entwickelt haben. Auch für den CFK-Bereich haben wir hohe Zuwachsraten.

Gab es denn nie Rückschläge oder Misserfolge in Ihrem Leben?

Nein, gab es nie. Muss man denn Misserfolge haben? Bei der Fa. Miller habe ich Bohrer entwickelt, die noch keine Testreihe durchlaufen haben, aber die Prospekte waren schon gedruckt. Ich war mir meiner Sache immer sicher. Bis heute hat das funktioniert. Meine Stärken liegen in der Planung und in der strategischen Ausrichtung. Außerdem vertraue ich immer voll und ganz auf mein Bauchgefühl.

Wenn man MK-Tools in Hauzenberg besucht, ist man zunächst irritiert, da viele Hochlandrinder sich um den Betrieb tummeln. Wie kamen Sie auf die außergewöhnliche Idee, dort Rinder anzusiedeln?

Ich bin auf dem Bauernhof groß geworden und wenn ich nicht mit der Werkzeugherstellung angefangen hätte, wäre ich wahrscheinlich der größte Landwirt weit und breit geworden. Es macht mir Freude, den Tieren zuzusehen und die Fläche in Hauzenberg bot sich ideal dafür an. Jetzt habe ich noch einen neuen Stall für meine Firmenkühe gebaut und den ersten Traktor gekauft. Ich habe die Landwirtschaft nun zu einem meiner vielen Hobbies gemacht.

Was würden Sie gerne ändern?

Nichts, sonst hätte ich es schon längst getan.

Wie viele Jahre möchten Sie noch als Geschäftsführer die Geschicke von MK-Tools leiten?

Da habe ich mir kein Limit gesetzt.

Was ärgert Sie?

Wenn Menschen nicht ehrlich und aufrichtig sind. Um solche Menschen mache ich dann einen großen Bogen. Selbst wenn mir größere Geschäfte dadurch entgehen könnten.

Was würden Sie gerne noch erreichen?

Ein Single Golf Handicap strebe ich noch an. Ich spiele gerade 11.

Was ist besonders schwierig für Sie?

Wenn mich jemand nach meinem Alter fragt…

Dankbar bin ich…

…dass meine Frau das alles mitgetragen hat und voll hinter meiner Arbeit steht, was bestimmt nicht immer leicht für sie war.
…für meine gute Gesundheit und für meine Energie, die ich ein Leben lang hatte und immer noch habe.

 

Sie finden den vollständigen Artikel in der nachfolgenden Pdf-Datei.



Firma: MK-Tools-Service GmbH
Website: http://www.mk-tools-service.de/

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