IEW: Die gute Verbindung macht's

01. April 2019
IEW GmbH Martin Schweikhart
Seit mehr als 20 Jahren versteht sich Martin Schweikhart als Spezialist, wenn es um das Induktionslöten geht. Aufgrund der steigenden Nachfrage am Markt produziert er seit 2018 auch Vakuumlötanlagen.
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Wer selbständig ist, arbeitet immer und zwar selbst! Dieser Grundsatz gilt besonders für die Startphase jeder Unternehmensgründung. Als Martin Schweikhart gleich nach dem Studium 1996 den Schritt in die Selbständigkeit wagte, wusste er sehr wohl, dass er für die Anfangszeit sehr viel Geduld und Durchhaltevermögen aufbringen musste. „Aber als junger Absolvent der TU Wien im Bereich der Elektrotechnik hatte ich ja weder familiäre noch finanzielle Verpflichtungen, die mich in meinem Jungunternehmertun hätten bremsen können und außerdem hatte ich auch keinen sicheren Arbeitsplatz auf´s Spiel gesetzt“, gibt der 50-jährige Selfmade-Unternehmer zu verstehen. Vor ungefähr 24 Jahren saß der junge Student vor seiner Diplomarbeit, in der er sich näher mit dem Thema der Induktionserwärmung beschäftigte. Ab diesem Zeitpunkt war seine Faszination geweckt und er sah die vielen Chancen und Möglichkeiten, die sich für die Industrie in diesem Bereich boten. Was damals als „One-Man-Show“ am Küchentisch seiner Großmutter begann, hat sich mittlerweile zu einem
beachtlichen Unternehmen mit 22 Mitarbeitern entwickelt. Was ihn so erfolgreich macht, verrät der Niederösterreicher in einem Interview.

DIAMOND BUSINESS: Nach dem Studium haben Sie sofort die Firma IEW („Induktive Erwärmung“) gegründet. Hatten Sie von Anfang an an Ihre Unternehmung geglaubt?

Martin Schweikhart: Tatsächlich waren die ersten drei Jahre sehr mühsam. In meiner Startphase konnte ich allerdings auch auf die Unterstützung meiner Eltern und meiner Ehefrau zurückgreifen, zum einen finanziell als auch buchhalterisch. Meine Frau und ich hatten noch keine Kinder, für die wir hätten sorgen müssen, so dass wir zunächst von ihrem Einkommen über die Runden kamen. Natürlich war es ein Versuch, wir steckten uns gemeinsam einen zeitlichen Rahmen für dieses Vorhaben und schon bald konnte ich den ersten Mitarbeiter einstellen. Anfangs hatten wir Elektronikentwicklungen angeboten. Nach drei Jahren haben wir dieses Feld verlassen und uns fortan nur noch auf die Induktionstechnik fokussiert. Schon als Student habe ich für verschiedene Firmen gearbeitet und konnte erste Berufserfahrungen sammeln. Beispielsweise hatte ich für ein mittelständisches Unternehmen eine CAD gestützte EDV aufgebaut. Zuvor hatten die Mitarbeiter die Pläne noch am Reißbrett gezeichnet. Anschließend waren 19 CAD gestützte Rechner installiert. Ich wusste, dass mein Können ausreicht, um gewisse Dinge zu erreichen. Dieses Wissen und meine Passion für die Induktionstechnik hat mich in meinem Willen und meiner Motivation bestärkt.

Induktionslöten eines Solid PKD im Schutzgas

Schon im Juli 2008 sind Sie aufgrund der steigenden Mitarbeiterzahl in Ihren Neubau in Gumpoldskirchen eingezogen. Der Start war holprig. Warum?

Kaum war der Umzug mit meinen sieben Mitarbeitern in das neue Gebäude vollzogen, schlitterten wir geradewegs in die Wirtschaftskrise hinein. Einerseits mussten wir das Darlehen zurückzahlen und auf der anderen Seite blieben die Aufträge aus. 2009 hatten wir einen 15-prozentigen Umsatzrückgang, den wir aber erfreulicherweise mit Kurzarbeit ausgleichen konnten. Im Sommer 2009 konnten wir dank voller Auftragsbücher wieder voll durchstarten.

Die deutsche Industrie blickt aktuell wieder mit deutlich mehr Skepsis in die Zukunft. Laut Aussagen von Experten schwächt sich das Wirtschaftswachstum weltweit deutlich ab. Wie sehen Sie sich mit IEW aufgestellt?

Nichts im Leben ist sicher und das gilt natürlich auch für die Selbständigkeit. Allerdings haben wir bei IEW den entscheidenden Vorteil, dass wir mit unseren Produkten sehr viele Branchen ansprechen. Beispielsweise kam während der Wirtschaftskrise 2009 die Solartechnik auf. Dort konnten wir dann auch unsere Induktionstechnik anwenden. Als kleines Unternehmen sind wir sehr breit aufgestellt, haben einen großen Kundenstamm und sind glücklicherweise nicht auf einzelne, große Kunden angewiesen.

Welches Geheimnis steckt hinter Ihrem Erfolg?

Wahrscheinlich kommen hier viele Parameter zum Tragen. Zum einen sind wir sehr schnell beim Kunden, wenn es um Anfragen oder Beratungen geht. Mittlerweile haben wir uns ein großes Netzwerk aufgebaut, stellen auf diversen Hausmessen aus und nehmen an der Lötkonferenz in Aachen teil, die alle drei Jahre stattfindet. Außerdem punkten wir mit einer Fertigungstiefe von über 90 Prozent bei uns im Haus. So verfügen wir über eine eigene Elektrotechnik-Abteilung, eine eigene Schaltschrankfertigung und auch über eine mechanische Fertigung vor Ort. Damit haben wir kurze, schnelle Wege und Bearbeitungszeiten. Ein Lastenheft wird uns damit erspart und wöchentlich finden Dienstbesprechungen für alle Projekte und für alle Mitarbeiter gleichzeitig statt. Somit kann sichergestellt werden, dass jedermann informiert und integriert ist. All diese Punkte machen uns sehr agil, flexibel und außerordentlich konkurrenzfähig. Das wird uns von unseren Kunden auch immer wieder so bestätigt.

Welchen Nutzen hat Ihr Kunde, wenn er Ihre Anlagen einsetzt?

Viele unserer Marktbegleiter verkaufen standardisierte Induktionsanlagen. Wir bei IEW können mit unserer Steuerungstechnik, die ich mit den Mitarbeitern individuell programmiere, sehr viele Prozesse abdecken. Es geht nicht nur darum, „Wärme“ zu erzeugen, sondern der Kunde hat oft zusätzliche Bedürfnisse, die er integrieren möchte. Wir implementieren unsere Anlagen sozusagen passgenau in deren Produktionsprozess. Unser System passen wir den Anforderungen und Vorgaben unserer Kunden an. Dieser gute Ruf eilt uns erfreulicherweise bereits voraus.

Vakuumlöten von Inserts - Mehrfachlötung

Das Kerngeschäft liegt auch weiterhin im Induktionslöten, aber Sie haben Ihr Unternehmen um einen weiteren Geschäftsbereich erweitert, nämlich um den des Vakuumlötens. Was hat Sie dazu bewogen?

Tatsächlich befinden wir uns mit dem Verkauf der Induktionsanlagen noch nicht in der Sättigung. Wir haben jedes Jahr zehn Prozent mehr Induktionsanlagen veräußert und das wird sich vermutlich auch auf diesem Niveau einpendeln. Uns verschafft aber der Bau und der Verkauf von den Vakuumlötanlagen einen unglaublichen Vorteil am Markt, da wir nun neben der Induktionstechnik auch die Vakuumlöttechnik beim Kunden anbieten können. Kunden, die uns das Vertrauen in der Vakuumlöttechnik schenken, haben schon Induktionslötanlagen bei uns erworben. Wir können damit schon auf eine vertrauensvolle, langjährige Geschäftsbeziehung bauen und müssen uns nicht neu unter Beweis stellen. Wenn ich mit dem Kunden im Gespräch bin, erkenne ich sehr schnell, ob im vorliegenden Fall der Kunde besser mit der Vakuumlöttechnik oder der Induktionstechnik beraten ist. Wir sind jetzt in der Lage beide Anlagen aus einer Hand anzubieten und unser Kunde hat damit nur einen Ansprechpartner. Das ist ein ganz entscheidender Vorteil. Dem Kunden geht es ja letztendlich nur darum, dass seine Prozesse funktionieren. Dort, wo ich im Dezember 2018 meine erste Vakuumlötanlage installiert habe, stehen auch schon drei Induktionsanlagen von uns. Sonst hätte ich es vermutlich nie so schnell geschafft, dieses neue Produkt so erfolgreich zu platzieren.

Es tummeln sich mittlerweile schon mehrere Anbieter von Vakuumlötanlagen am Markt. Welche Vorteile hat Ihr Kunde, wenn er sich für eine Vakuumlötanlage von IEW entscheidet?

-    Genau kontrollierbare Erwärmungsprozesse für Prozesszeiten ab ca. 2 Stunden, bauteilabhängig
-    Sichtfenster auf die Produkte zur Prozessentwicklung und -kontrolle
-    Fernzugriff auf die Anlage
-    Prozessentwicklung seitens IEW, hohe Kompetenz in der Löttechnik vorhanden
-    Netzwerk zu allen renommierten Lotzusatzwerkstoffherstellern
-    Qualitativ sehr hochwertige Komponenten: Heraeus, Pfeiffer Vacuum

Wo liegen Ihre wichtigsten Märkte?

Der wichtigste Markt liegt für uns in Deutschland, gefolgt von Österreich und der Schweiz. Einige Kunden finden sich auch in Polen, Tschechien und Ungarn.  Aber auch nach China haben wir schon mehrere Anlagen verkauft.

Schaltschrank einer Sonderinduktionserwärmungsanlage - Automobiltechnik

Wo sehen Sie IEW in 10 Jahren?

Vermutlich werden wir etwas mehr Personal einstellen müssen, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Allerdings ist es nicht mein Ziel, fünfzig oder mehr Mitarbeiter zu beschäftigen. Denn hier bei IEW brauchen wir gutes, qualifiziertes Fachpersonal. Und Fachkräftemangel gibt es nicht nur in Deutschland. Mehr Mitarbeiter bedeuten auch mehr Pflichten: Als Unternehmer bist Du dann gezwungen, genügend Aufträge zu akquirieren, damit Deine Mitarbeiter ausgelastet sind. Außerdem muss man mit seinen Leuten immer im Gespräch bleiben, Mitarbeitergespräche führen und für eine gute „Chemie“ sorgen, damit letztendlich alle Abläufe und Prozesse reibungslos funktionieren. Tatsächlich ist jeder einzelne Mitarbeiter für den Unternehmenserfolg enorm wichtig. Je größer das Team, desto schwieriger und zeitaufwendiger könnte sich das Ganze gestalten. Deshalb lege ich Wert darauf, ein effizientes, überschaubares IEW-Team zu bleiben, damit wir weiterhin sehr flexibel und souverän auf die Anforderungen des Marktes reagieren können.

Kurzportrait Dipl. Ing. Martin Schweikhart

Nach dem Studium der Elektrotechnik an der TU Wien zog es den 26-jährigen Martin Schweikhart direkt in die Selbständigkeit. Die Entscheidung fiel unmittelbar nach dem Studium im gemeinsamen Urlaub mit seiner Frau am Strand von Tunesien. Während sie bereit war, als Konditorin zunächst für den grundlegenden Lebensunterhalt zu sorgen, startete der frisch gebackene Diplom-Ingenieur mit seiner Idee, Elektronikentwicklungen und induktive Erwärmungsanlagen am Markt anzubieten. Beharrlich, zielstrebig und mit der nötigen Disziplin baute sich der junge Niederösterreicher kontinuierlich seinen festen Kundenstamm auf und ist mittlerweile zum gefragten Experten für Induktionserwärmungssysteme geworden. In seiner Freizeit liebt es der dreifache Familienvater, gemeinsam mit seiner Frau und seinen Töchtern Ausflüge zu machen und es zieht ihn auch immer wieder in die Berge. Deshalb hat sich die Familie seit ein paar Jahren einen Herzenswunsch erfüllt: Ein Ferienhaus in Kärnten. Um neue Kraft zu tanken und um wieder frische Energie für den Alltag zu gewinnen, verbringen sie regelmäßig die Wochenenden im Süden Österreichs. Dort stehen dann entweder die gewachsten Skier oder die Bergschuhe für die gemeinsamen Touren der Fünf bereit.

 

 

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Firma: IEW Induktive Erwärmungsanlagen GmbH
Website: http://www.iew.eu/

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