Kirners Spuren: Innovation und Schaffenskraft

19. Februar 2019
Martin Kirner, Kirner Schleifmaschinen GmbH & Co. KG
Seit 2009 schreibt Martin Kirner die Erfolgsgeschichte seines Großvaters in 3. Generation fort. Als Betriebswirt mit großer Affinität zur Technik hat er das Wohl des gesamten Unternehmens im Blick.
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Martin Kirner, Geschäftsführer der Kirner Schleifmaschinen GmbH & Co. KG

Folgenden Satz könnte sich Anton Kirner, Gründer von Kirner Schleifmaschinen, zu Eigen gemacht haben: „ Man kann keine Spuren hinterlassen, wenn man in die Fußstapfen eines anderen tritt“. Anton Kirner ist sicherlich nie in die Fußabdrücke eines anderen marschiert, vielmehr hat er schon immer seinen eigenen Weg mit einem Gespür für den Markt  verfolgt. Er war schon zu Beginn des 20sten Jahrhunderts ein Innovator par excellence.

Gelernt hatte er Uhrmacher – eine Handwerkskunst, die im Schwarzwald bis ins späte 20. Jahrhundert weltweite Bedeutung hatte. Mit einem besonderen Talent für Technik und Mechanik, einer unermesslichen Schaffensfreude und einer Vision für die Entwicklung von Maschinenbearbeitungsmöglichkeiten, um Zahnräder zu fräsen, gelang es ihm als Pionier in den 30er Jahren Geschichte zu schreiben. Auch die Idee des Fahrtenschreibers oder andere mechanische Zeiterfassungssysteme stammen aus der Feder von Anton Kirner. Dabei war Kirner´s Weg alles andere als geebnet. Zwei Weltkriege, die Inflation 1929, die Besatzung durch die Alliierten und die Enteignung waren Ereignisse, die maßgelblich die Kirner Unternehmensgeschichte prägten. Trotz allem hielt er an seinen Ideen und Visionen fest und konnte sich nach dem zweiten Weltkrieg als Hersteller von Schleif- und Abrichtmaschinen einen Namen in der Branche machen.

Seit 2009 schreibt nun sein Enkelsohn Martin Kirner die Erfolgsgeschichte in der dritten Generation fort. „Vieles was uns ausmacht, ist tatsächlich noch meinem Großvater zu verdanken“, gibt Martin Kirner zu verstehen, „er war seiner Zeit weit voraus, hatte das ´Tüftlergen´ verinnerlicht und immer das Bestreben, bestmögliche Ergebnisse zu erzielen“. Kennenlernen konnte Martin Kirner seinen Großvater nie, trotzdem erfülle sein Geist nach wie vor das unter Denkmal gestellte „Kirnergebäude“ und er sei stolz darauf, das Erbe und die Tradition seines Großvaters fortsetzen zu dürfen.

Schleifscheibenpaket mit Topfscheibe

 

 

DIAMOND BUSINESS: Als Ihr Großvater 1961 verstorben ist, hat Ihr Vater Bernhard die Geschicke von Kirner übernommen. Maßgeblich hat er die Internationalisierung von Kirner Schleifmaschinen vorangetrieben. Seit 2009 sind Sie nun als Geschäftsführer eingesetzt. In welchen Bereichen entdecken Sie Ihre Stärken beziehungsweise Ihre Aufgaben?

Martin Kirner: Nun, die Situation hat sich in den letzten Jahren/ Jahrzehnten gravierend geändert. Durch die Globalisierung wird Deutschlands Wettbewerbsposition ständig angefochten, der Preisdruck wächst und die Flexibilitätsanforderungen steigen. Wir produzieren nach wie vor ausschließlich in Deutschland. Qualität, Service und Verlässlichkeit sind für uns die wichtigsten Wettbewerbsvorteile.
Dabei ist Qualität der wichtigste strategische Hebel, um in diesem Marktumfeld zu bestehen. Wir befinden uns in einem Nischenmarkt mit hochwertigen besonderen Produkten und Leistungen, besitzen ausgereifte Maschinenkonzepte und präsentieren individuell für unsere Kunden bestmögliche Lösungen. Unsere Kunden wissen das zu schätzen und honorieren das, indem sie oft mehr als nur eine Maschine von uns kaufen oder uns weiterempfehlen.

Nach Ihrem Studium zum Dipl.-Betriebswirt (FH) und dem Aufbaustudium Wirtschaftsingenieurwesen waren sie zunächst als Vertriebsmitarbeiter und –leiter bei mittelständischen Unternehmen in Baden-Württemberg beschäftigt. Vor 20 Jahren sind Sie dann in den elterlichen Betrieb gewechselt. Fehlen Ihnen als Hersteller von Abricht- oder Schleifmaschinen ein stückweit die fundamentalen Kenntnisse im Maschinenbau?

Der Schwabe würde mich als „Neigschmeckter“ Ingenieur betiteln. Von Haus aus bin ich tatsächlich ein BWLer, allerdings habe ich auch eine große Affinität zur Technik und bin auch privat ein ambitionierter Modellbauer. Wenn es um technische Lösungen im Unternehmen geht, schaue ich sehr genau hin und überzeuge mich von den Vorteilen, die technische Veränderungen erwarten lassen. Aber Sie haben Recht, zwischenzeitlich ist alles so spezifisch geworden, dass man sehr schnell zum Dilettanten wird. Glücklicherweise kann ich auf meine Mitarbeiter und Konstrukteure zählen, die die Geometrie und Mathematik verinnerlicht haben und uns auch im Bereich der Schleifsoftware weit nach vorne gebracht haben. Ich bin eher in der „Breite“ unterwegs und habe das gesamte Wohl von Kirner im Auge. Als Firmenchef kann und muss ich nicht immer über alle Detailkenntnisse verfügen.

Wo liegen bei Kirner die Kernkompetenzen?

Wir bedienen drei Produktbereiche. Zum einen die CNC- Schleifmaschinen mit spezifischer Ausrichtung, dann die Abrichtmaschinen und zum anderen haben wir eine eigene Schleiferei zur Produktion von Nadelhalterplatten, die als chirurgische Instrumente eingesetzt werden. Dadurch erreichen wir eine sehr stabile Situation im Unternehmen. Tatsächlich sind wir in jedem der drei Bereiche starken Schwankungen unterworfen und können gerade durch die Splittung für eine ausgewogene Risikostreuung sorgen.

Martin Kirner, Kirner Schleifmaschinen GmbH & Co. KG

Gibt es einen USP in Ihrem Unternehmen?

Besonders leistungsstark und innovativ sind wir in der Entwicklung und in der Automatisierungstechnik. Unsere Schleifmaschinen arbeiten mit sechs Achsen und haben damit einen besonderen Reifegrad erreicht. Die sechste Achse steht zwar in der Regel als Redundant, aber unsere Kunden schätzen den Vorteil, den die zusätzliche Achse bringt. Wir garantieren eine einfachere Handhabung der Maschinen und damit kürzere Rüst- und Stillstandzeiten. Die dynamischen Achsen bringen Zeit- und Kostenersparnis mit großen Auswirkungen bei der Serienproduktion 24/7.

Welche Chancen sehen Sie in den nächsten Jahren bezüglich Ihrer Produkte?

Ich sehe einen wachsenden Bedarf an Qualitätsprodukten im asiatischen Markt - vor allem außerhalb der Volumenmärkte. Auch als Nischenanbieter bieten sich für uns unschätzbare Möglichkeiten, die wir nutzen sollten. Von daher wird es zukünftig auch darum gehen, diese Märkte zu erschließen.

Welchen Herausforderungen sehen Sie sich gegenübergestellt?

Es wird auch zukünftig darum gehen, bessere Lösungen für unsere Kunden bereitzuhalten. „Gleich gute“ Leistungen sind längst nicht ausreichend. Hier im Industriestandort Deutschland haben wir durch das relativ hohe Lohnniveau und durch kürzere Arbeitszeiten einen klaren Standortnachteil. Politik und vor allem Gewerkschaften sollten nicht nur nationalstaatlich denken, sondern immer auf Verhältnisse in anderen Ländern achten. Werfen wir beispielsweise einen Blick auf die Forderung der IG-Metall nach der 28-Stunden-Woche. Wie wollen wir konkurrieren mit Ländern, die doppelt oder gar dreifach so lange arbeiten. Es gibt hier in Deutschland Errungenschaften, die ich als nicht schlecht erachten möchte, aber man sollte doch immer mit Maß und Ziel agieren. Wie lange kann man diesen Wirtschaftsstandort in Deutschland dann noch halten? Ein großes Thema, dem wir mehr und mehr gegenübergestellt werden, ist der Fachkräftemangel. Es könnte (noch) schwieriger werden, gute und qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Wir empfinden es schon als Herausforderung, geeignete und fähige Auszubildende zu finden.

Wie zeichnet sich die Situation derzeit ab?

Der deutschen Wirtschaft geht es prächtig, die Industrie verzeichnet momentan den stärksten Boom seit über zwei Jahrzehnten. Der Auftragseingang ist gigantisch. Deshalb kommen auch unsere Lieferanten kaum noch mit den Bestellungen hinterher. Wir sehen uns mit der stärksten Verlängerung der Lieferzeiten seit Jahren konfrontiert. Genau genommen sprechen wir von Lieferzeiten von bis zu 60 Wochen. Demzufolge sind wir gezwungen, Liefertermine für unsere Maschinen zu nennen, die teilweise schon in das nächste Jahr reichen. Es stellt sich die Frage, wie lange die „Überhitzung“ noch anhält. Angeheizt wird diese Situation von einem eklatanten Mangel an Fachkräften. Selbst wenn wir einstellen wollten, würde uns der Arbeitsmarkt keine adäquaten Mitarbeiter zur Verfügung stellen können…

Rotierfrässortiment

Einige Ihrer Mitarbeiter haben trotz Ruhestand eine Weiterbeschäftigung bei Kirner gewählt. Das spricht für ein positives Arbeitsklima. Gibt es dafür ein Rezept?

Ich habe großes Vertrauen in meine Mitarbeiter und lasse sie auch ein stückweit in Ihren Entscheidungen frei. Die Erfahrung hat mir gezeigt, dass sie gerade deswegen zu guten Ergebnissen kommen und Freude an der Gestaltung haben. Sie nehmen Einfluss auf das gesamte System und sehen auf das Ganze. Was für die Mitarbeiter eine Riesenmotivation bedeutet, ist für mich als Geschäftsführer eine enorme Erleichterung. Natürlich müssen bestimmte Vorgaben sein, aber ein geeigneter Entfaltung- und Gestaltungsspielraum schafft Freude am Tun.

Welche Neuigkeiten gibt es bei Kirner?

In den letzten Jahren ist es uns gelungen, unseren Neubau abzuschließen und den „Showroom“ für unsere Kunden in das neue Gebäude zu verlagern. Außerdem haben wir die Produktion der Nadelhalterplatten dorthin verlagert. In der Sparte Maschinenbau ist es uns gelungen, ein neues ERP-System einzuführen. Das ein oder andere Projekt steckt noch in der „Pipeline“, aber aufgrund der hohen Auftragslage fehlen uns die Ressourcen, es umzusetzen.

Wie sehen die Produkte der Zukunft bei Kirner aus?

Das Zauberwort Industrie 4.0 ist momentan in aller Munde. Auch für uns bedeutet das, unsere zukünftigen Produkte wettbewerbsfähig zu machen und Intelligenz in die Bauteile hinein zu bringen. Es geht darum, diese internetfähig zu machen, um damit die Vernetzung und Regelung aller Systeme weitgehend ortsunabhängig zu erreichen. Dennoch muss aber alles für den Anwender leicht beherrschbar sein, Standards müssen entwickelt werden und dem Kunden einen echten Nutzen bringen. Sind unsere Hausaufgaben gemacht, wird es uns gelingen nächstes Jahr nicht nur unser 100 jähriges Firmenjubiläum zu feiern, sondern dann auch das 150ste…

Wo liegen Ihre wichtigsten Märkte?

Hauptsächlich in Deutschland, Europa und zum Teil auch USA. An Bedeutung gewinnt, wie bereits erwähnt, der asiatische Markt.

Die GrindTec in Augsburg ist für Kirner die wichtigste fachspezifische Messe. Welche Erwartungen haben Sie an die Schleifmesse und gibt es weitere wichtige Messebeteiligungen?

Wir erwarten wieder spannende Gespräche und reges Interesse an unserer neuen Abrichtmaschine K 430 CNC sowie der jetzt auch in gekapselten Ausführung erhältlichen K 43 C evo. Auf der JIMTOF in Japan stellen wir zusammen mit unserer Vertretung YKT regelmäßig aus. Zukünftig wird für uns aber auch die IMTS in Chicago und auch die CIMT in Peking bedeutsam.

Angenommen: Sie sind mit einem Politiker im Gespräch. Welche Änderungen würden Sie sich wünschen?

An sich bin ich kein politischer Mensch. Ich würde auch behaupten wollen, dass Politik kein guter Unternehmer ist. Es wäre leichter, wenn es weniger Reglementierungen gäbe – gerade für kleinere Unternehmen. Wir könnten eine Fachkraft nur dafür einstellen, die alle gesetzlichen Bestimmungen überwacht. Man muss sich als Unternehmer mit so vielen gesetzlichen Regelungen auseinandersetzen, die zeitraubend sind. Diese Zeit fehlt dann, um vernünftig produzieren zu können. Als kleiner, mittelständischer Unternehmer haben wir natürlich ganz andere Ressourcen als ein Großunternehmen. Beispielsweise haben wir keine eigene Rechtsabteilung oder eine Abteilung für Arbeitssicherheit oder einen eigenen Betriebsarzt. Und wir stehen auch hier wieder in Konkurrenz mit anderen Ländern! Selbstverständlich haben Gesetze ihre Berechtigung, aber auch hier wäre Maß und Ziel ein geeignetes Instrument, um die Regelungswut einzudämmen.

Wer ist für Sie ein guter Ratgeber?

Meine Familie, gute Freunde, Mitarbeiter und ich höre auch oft auf meine innere Stimme.

Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Das Beste aus jeder Situation zu machen.

Was begeistert Sie?

Ich habe eine gewisse Affinität zum Extrem. Der Hang zu extremen, besondere Leistungen in Sport und Beruf faszinieren mich. Mich interessieren vor allem die Menschen dahinter, welche Motivation treibt sie an.

In meiner Freizeit liebe ich es…

…Tennis oder Tischtennis zu spielen. Ich liebe Windsurfen und sonntags eine Joggingrunde um den Titisee. Danach ein gemütliches, ausgedehntes Frühstück mit meiner Familie.

Erfolg ist für mich…

…das zu erreichen, was ich mir vorgenommen habe. Auf dem Weg dorthin aber auch Freude zu verspüren, denn der Weg ist auch immer das Ziel.

 

 

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Firma: Kirner Schleifmaschinen GmbH & Co. KG
Website: https://www.kirner-schleifmaschinen.de/