Microdiamant: Feintuning für präzise Oberflächen

01. April 2019
Microdiamant Daniel und Martin Spring
Immer weniger Nachkommen von Unternehmern sind bereit, den Familienbetrieb zu übernehmen und damit verantwortlich für Mitarbeiter, Produkte und Finanzen zu sein.
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Zusätzlich ist eine hohe Arbeitsbelastung jenseits einer geregelten 40-Stunden-Woche nahezu unumgänglich. Junge Menschen überlegen heute deshalb sehr genau, wie sie ihr Leben gestalten möchten. Denn es geht um ihre eigene Vorstellung von Selbstverwirklichung, um die möglichst weitgehende Realisierung der eigenen Ziele, Wünsche und Vorstellungen.
So gesehen war es ein Glücksfall, als Martin und Daniel Spring sich sofort bereit erklärten, Verantwortung für das vom Großvater 1952 gegründete Unternehmen zu übernehmen. Vater Kurt Spring hat eine mögliche Unternehmensnachfolge seiner Kinder schon früh kommuniziert. Er wollte nichts dem Zufall überlassen. Anfang 1999 war dann die Zeit reif für eine Entscheidung. Daniel Spring kann sich noch gut daran erinnern: „Unser Vater hat uns unabhängig voneinander gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, das Familienunternehmen weiterzuentwickeln und die Geschäftsführung von Microdiamant zu übernehmen. Da wir beide die Antwort bejaht hatten, war klar, dass wir das zusammen machen wollen.“
Microdiamant hat sich mittlerweile zu einem weltweit führenden Spezialisten für Lösungen zum Feinschleifen, Läppen und Polieren von hochpräzisen Oberflächen entwickelt. Als Hersteller von Diamant-Mikronprodukten hat sich das schweizerische Unternehmen längst einen Namen als Technologieführer gemacht. Die Brüder Martin und Daniel Spring berichten im Gespräch über die Idee der Unternehmensgründung, über Neuheiten und ihre weiteren strategischen Pläne.

Diamant-Schleifpads werden im Surface Lab getestet für ein Kundenprojekt

DIAMOND BUSINESS: Wie kam es 1952 zu dieser außergewöhnlichen Geschäftsidee Ihres Großvaters?

Martin Spring: Microdiamant wurde aus einer Recycling-Idee geboren: Mein Großvater Rudolf Spring hatte bei einer Maschinenfirma gearbeitet, in der regelmäßig Diamantschleifscheiben im Einsatz waren. Er hatte bemerkt, dass auf den gebrauchten Scheiben immer noch ein Restbelag an Diamant zu sehen war. In der Nachkriegszeit war Diamantpulver Mangelware und es gab noch keinen synthetischen Diamant. Entsprechend waren die Preise für Diamantpulver astronomisch hoch. Deshalb kam ihm die Idee, Prozesse zu entwickeln, um an die kostbare Rest-Diamantkörnung zu gelangen. Die ersten „Chemie“-Versuche fanden zu Hause in der Küche statt, aber aufgrund der üblen Gerüche musste er bald in den Keller umziehen. Bald wurde auch Diamant-Rohmaterial hinzugekauft, es wurde gesiebt und klassiert - die Räumlichkeiten reichten bei weitem nicht mehr aus. Deshalb entschloss sich mein Großvater zum Bau eines Firmengebäudes in der Nähe des Züricher Flughafens. Die Firma Rudolf Spring AG wurde dann 1952 offiziell gegründet. Später wurde die Marke Microdiamant als Firmenname übernommen.

Leider ist Ihr Großvater 1974 recht jung verstorben. Ihr Vater musste von einem Tag auf den anderen die Firma übernehmen. Wie hat er die Firma weiterentwickelt?

Martin Spring: An den überraschenden Tod meines Großvaters kann ich mich heute noch genau erinnern. Ich war damals gerade einmal 5 Jahre alt, als der Anruf aus der Firma kam. Mein Vater musste von heute auf morgen die Leitung der Firma übernehmen. In gewisser Weise hat dieser Schicksalsschlag  unsere Familie nachhaltig geprägt. Unser Vater wollte uns eine unstrukturierte und unvorhergesehene Übergabe ersparen und er hat gerade deshalb frühzeitig unser Interesse am Unternehmen immer wieder vorsichtig abgefragt.
Mein Vater hat für Microdiamant eine der ersten computergesteuerten Anlagen in der Industrie entwickelt, die Verarbeitung industrialisiert und auch automatisiert. Damit war er Pionier auf diesem Gebiet. Nach und nach konnte er durch Firmen-Zukäufe expandieren. Maßgeblich hat er auch die Internationalisierung im Unternehmen erfolgreich vorangetrieben.

Nach langem Studium, einem Auslandsaufenthalt und einer mehrjährigen Tätigkeit in einem anderen Schweizer Unternehmen begannen Sie 1997 im Unternehmen Ihres Vaters zu arbeiten. Stand für Sie nie außer Frage, etwas anderes zu tun?

Martin Spring: Nein, natürlich unter der Voraussetzung, dass ich auch etwas anderes tun könnte. Ich wollte in die Welt hinaus und habe andere Unternehmen, auch Großunternehmen kennen lernen dürfen. Diese Zeit war für mich und ich denke auch für meinen Bruder sehr wertvoll und notwendig. Uns beiden war es wichtig, Karriereschritte auch außerhalb von Microdiamant und im Ausland zu machen. Erst mit ungefähr 30 Jahren haben wir hier in Lengwil angefangen zu arbeiten. Das war eine Riesenmotivation für uns, wenn man quasi sein eigener Chef ist, natürlich mit allen Vor- aber auch Nachteilen.

Herr Spring, Sie sind 1999 ins väterliche Unternehmen eingestiegen, nachdem Sie auch studiert und Auslandserfahrung gesammelt hatten. Geschwister im gleichen Unternehmen können Verbündete, aber auch Konkurrenten sein. Gab es auch einmal problematische Situationen für Sie?

Daniel Spring: Die Frage wird uns oft gestellt. Ich empfinde es als große Bereicherung für uns beide, im gleichen Unternehmen arbeiten zu dürfen. Man hat einen Sparringspartner, der natürlich seine eigenen Sichtweisen und Prioritäten hat, aber durch das absolute Vertrauensverhältnis zwischen uns beiden können Ideen immer offen diskutiert werden, gerade dann, wenn unterschiedliche Meinungen und Standpunkte vorliegen. Bei entscheidenden Themen und Inhalten dauert die Diskussion vielleicht etwas länger, aber sie führt final zu einer nachhaltigen, stabilen Lösung. Für uns gibt es keine Hierarchie. Wir wollen die Firmengruppe weiterentwickeln und sie erfolgreich an die nächste Generation weitergeben. Letztendlich haben wir ein gemeinsames Ziel.
Martin Spring: Ja, das funktioniert extrem gut mit uns beiden, seit dem ersten Tag im Unternehmen und das sind jetzt schon mehr als 20 Jahre…Wir haben viele Berührungspunkte, aber auch Bereiche, die wir eigenverantwortlich entscheiden.  Wir haben ein gemeinsames Ziel und stets die gleiche Motivation.

Diamant-Mikrokörnungen sind die Basis für Diamant-Suspensionen und Schleifpads

Worin sehen Sie den Erfolg von Microdiamant begründet?

Daniel Spring: Wir sind mit Sicherheit der einzige Diamant-Micronizer und Anbieter von Mikrokörnungen, der die gesamte Prozesskette von Synthese über die Verarbeitung bis hin zu Herstellung von Suspensionen und Schleifpads sowie die Prozessentwicklung für Kunden vertikal integriert hat. Ein Großteil unserer Kunden sind führende „Player“ in ihrem Markt. Präzision versteht sich als eine Art „Hygienefaktor“. Kontinuität, Verlässlichkeit und Risikominimierung ist für deren Produktion unerlässlich.

Was meinen Sie mit Risikominimierung?

Martin Spring: Dadurch, dass wir die vollständige Fertigungskette  kontrollieren, können wir eine kontinuierliche Qualität garantieren . Wir sind größtenteils unabhängig von chinesischen Lieferanten, die oft keine gleichbleibende Qualität gewährleisten können. Außerdem erfolgt der Vertrieb unserer Produkte über ein Netz von eigenen Verkaufsbüros und autorisierten Distributoren. Ganz nah beim Kunden zu sein und seine Sprache zu sprechen, verschafft uns einen großen Wettbewerbsvorteil. Das schätzen unsere Kunden sehr. Sie begrüßen es, mit dem Hersteller direkt zusammenarbeiten zu können.
Daniel Spring: Wir haben außerdem festgestellt, dass bei vielen Kunden immer weniger Know-how vorhanden ist. Wir sind in der Lage, durch unser Wissen und durch unsere Erfahrungswerte die Prozesse unserer Kunden zu optimieren. Manchmal fehlt auch die Kenntnis über die neuesten Entwicklungen. Betrachten wir nur einmal die Suspensionen. Es gibt hier unzählige Möglichkeiten und Einsatzgebiete. Genau in diesen Bereichen – Beratung und Information - Kostenersparnis und Ausschussreduzierung – hier setzen wir an. Letztlich sind wir nur dann erfolgreich, wenn wir unsere Kunden erfolgreicher machen.

Maßgeschneiderte Polierlösung für die Bearbeitung von Wafern

Seit anderthalb Jahren bieten Sie im sogenannten „Surface Lab“ Prozessentwicklungen im Bereich des Feinschleifens, Läppen und Polieren als Dienstleistung an. Was kann man sich darunter vorstellen?

Martin Spring: Im Surface Lab entwickeln wir Prozesse gemeinsam mit und für den Kunden. Sie kommen zu uns mit einer bestimmten Aufgabenstellung bzw. Zielsetzung. Zum Beispiel möchte ein Kunde gewisse Teile poliert haben oder Vorgänge verbessern. Unser Part besteht dann darin, verschiedene Formulierungen zu testen. Wir passen diese maßgeschneidert auf den Prozess der Kunden an. Natürlich haben wir nicht den identischen Maschinenpark stehen, aber wir können Vergleichstests fahren, um einen besseren Abtrag oder eine verbesserte Oberflächengüte zu erreichen. Wir können dutzende unterschiedliche Rezepturen testen und final einen Sieger küren. Der Kunde wiederum kann in sehr wenigen Versuchen seinen Prozess verbessern, Kosten einsparen und Ausschuss minimieren. Beratend zur Seite stehen ein Chemiker und ein Prozess-Anwendungsingenieur.

Und wie ist die Resonanz am Markt?

Martin Spring: Das Surface Lab ist erfreulicherweise sehr gut angelaufen. Eigentlich dachten wir zunächst, dass diese Prozessoptimierung überwiegend die Schweizer Uhrenindustrie gebrauchen würde, aber tatsächlich hat die deutsche Präzisionsindustrie den gewinnbringenden Mehrwert erkannt und nutzt diesen Service mehr als erwartet.

Welche Rolle spielt Ihr Vater noch im Unternehmen?

Daniel Spring: Unser Vater hat 1995 für Microdiamant einen großen Meilenstein vollbracht. Die Liegenschaft in Zürich, die mein Großvater errichtet hatte, wurde allmählich zu klein, die Löhne stiegen innerhalb kurzer Zeit sehr schnell in die Höhe und es war schwierig, Mitarbeiter zu finden, die sich noch mit dem Handwerk identifizierten. Deshalb war er auf der Suche nach einer Region, die eher im ländlichen Raum beheimatet war und in der die Menschen stolz auf Handwerk und Beruf waren. Jetzt sind wir hier in Lengwil gerade mal fünfundvierzig Minuten vom alten Standort entfernt und genießen einen wunderbaren Blick auf den nahegelegenen Bodensee. Die Übergabe vollzog sich anschließend in mehreren Schritten und im Jahr 2005 hat sich unser Vater gänzlich aus dem Unternehmen zurückgezogen. Nahezu wöchentlich treffen wir uns mit ihm zum gemeinsamen Mittagessen. Er interessiert sich für das, was wir tun und für alle Neuheiten bei Microdiamant. Geschäftlich sind wir unabhängig von ihm, zu lange sind wir jetzt selbst schon in der Firma. Aber tatsächlich ist er für uns menschlich nach wie vor ein starkes Vorbild. Sein Antrieb und sein Engagement für dieses Unternehmen waren einzigartig. Wir sind dankbar, dass wir beide das Privileg und die Möglichkeit in jungen Jahren von ihm bekommen haben, hier einzusteigen und damit die ganze Breite der Verantwortung übernehmen zu dürfen.

Daniel Spring links, Martin Spring rechts

Vita Martin Spring

Nach seinem Studium des Maschinenbaus (Fachbereich Energie- und Prozesstechnik) und einem betriebswirtschaftlichen Nachdiplomstudium zog es den gebürtigen Bieler zunächst für anderthalb Jahre in den Süden Kaliforniens, ins Silicon Valley. Nach dieser Zeit als Verkaufsingenieur und einer anschließenden mehrjährigen Tätigkeit in einem Schweizer Unternehmen im Kraftwerksbereich erschien die Zeit reif, peu à peu die Unternehmensnachfolge des väterlichen Unternehmens zusammen mit seinem Bruder Daniel anzutreten. Martin Spring stellt hohe Ansprüche an sich selbst, aber auch an das gesamte Unternehmen. Intern agierende Mitarbeiter für die Kundenanforderungen am Markt zu sensibilisieren, stellt für den 49-jährigen eine wesentliche Aufgabe dar. Denn nur dann wird es seiner Meinung nach gelingen, die Position als Technologieführer von Diamant-Mikronprodukten weiter auszubauen und für höchste Präzision, Zuverlässigkeit und Qualität am Markt zu stehen. Martin Spring mag keine Routineaufgaben, viel mehr möchte er einen Großteil seiner Arbeitszeit für Themen der Zukunft investieren. Deshalb arbeitet er immer wieder an neuen Strategien, wie beispielsweise an einer weiteren Expansion ins Ausland oder an innovativen Produkten, um seinen Kunden letztendlich zu mehr Erfolg zu verhelfen. Inspirierende Gedanken und neue Impulse hierfür findet der Ingenieur in der Natur, am Berg oder beim Segeln auf dem naheliegenden Bodensee. Der Weitblick und der Verzicht auf das Smartphone in dieser Zeit verschaffen dem 2-fachen Familienvater auch die nötige Ruhe, um den täglichen Herausforderungen immer wieder aufs Neue gerecht zu werden. Geduldig, ehrgeizig, zielstrebig und voller Visionen verfolgt er seine Ziele, vielleicht ebenso wie die Menschen mancher Biographien, die er gerne liest. Aktuell ist es ein Buch über Nelson Mandela, dem es genau mit diesen Eigenschaften gelang, das Apartheid-Regime Südafrikas zu beenden.

 

Vita Daniel Spring

Der studierte Elektroingenieur und Absolvent eines betriebswirtschaftlichen Nachdiplomstudiums ist seit 1999 im Unternehmen tätig. In seiner Rolle als Managing Director der Spring Holding arbeitet er mit den Geschäftsleitern der Gruppenfirmen an deren strategischen Entwicklung. Bei Microdiamant ist er darüber hinaus zuständig für Finanzen und IT. Neben den Führungsaufgaben ist ihm wichtig, sich regelmäßig mit Kunden und Geschäftspartnern persönlich auszutauschen. Technologische Entwicklungen oder Veränderungen am Markt können dadurch beispielsweise schneller erkannt und Strategien zielgerichteter entwickelt werden. Was ihn persönlich motiviert, ist die Zusammenarbeit mit den hervorragend qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Gruppe und die Erfolgserlebnisse, die daraus resultieren. In seiner Freizeit liebt es der 47-jährige gemeinsam Zeit mit seiner Partnerin und Tochter zu verbringen - Lesen und gelegentliches Kochen stehen ebenso auf der Agenda wie Mountainbiken oder Katamaran fahren.

 

 

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Firma: Microdiamant AG
Website: https://www.microdiamant.com/de/

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