ROT: Mit Leidenschaft und Vorwärtsdrang das Bestehende weiterentwickeln

01. März 2021
Reiner Oehlmann (rechts), Geschäftsleitung und Entwicklungsleiter Jens Schröder (links) der ROT GmbH
Reiner Oehlmann: „Dank Vakuumlöttechnik sind wir unglaublich präzise und flexibel bei der Herstellung von Diamantwerkzeugen“
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Mittlerweile über 36 Jahren Erfahrungen im Diamantwerkzeugbau und dem Beginn vor fast 26 Jahren als Systemlieferant eines im Umfeld ansässigen Diamant-Werkzeugherstellers, hat die Selbständigkeit von Reiner Oehlmann begonnen. In dieser Zeit hat sich seine Firma zu einer Unternehmens-Gruppe entwickelt in der ROT (Reiner Oehlmann Tools) nicht nur ein angesagter Spezialist, u. a. für groß dimensionierte Diamant-Werkzeuge geworden ist, ROT brilliert seit Jahren auch mit Diamant-Abrichtwerkzeugen und Diamant-Schleifscheiben. Ein Gespräch mit ihm und ROT-Entwicklungsleiter Jens Schröder über Krisen und Zukunftsmärkte.

Reiner Oehlmann: ... eigentlich ist gerade kein optimaler Zeitpunkt, um ein Interview zu führen. Hätten wir vor 12 Monaten miteinander gesprochen, oder in zwei Jahren, dann hätte mir das viel besser gefallen ...

DIAMOND BUSINESS: Wie meinen Sie das Herr Oehlmann?

Reiner Oehlmann: Wir arbeiten aktuell immer noch in Kurzarbeit. Klar, das ist natürlich bei anderen Unternehmen auch der Fall. Das Jahr 2019 hingegen, war für uns sozusagen das andere Extrem, tolle Ergebnisse und fantastische Zahlen. Wir sind uns sicher, dass wir durch diese Krise gehen werden, viele andere Unternehmen wahrscheinlich leider nicht. Ein langer Atem und klare Ziele erscheinen mir für die nächsten Monate notwendig. Selbstmitleid ist für mich beziehungsweise für das gesamte Team nicht angesagt.

2020, kein leichtes Jahr. Ein Jahr mit vielen Unwägbarkeiten. Es gab viele Unternehmen, die sich durch die Grindtec im November einen „Schub“ erhofft hätten ...

Reiner Oehlmann: Ja, das wäre auch unser Wunsch gewesen. Wir hatten uns bis ins kleinste Detail auf die Grindtec  in Augsburg  vorbereitet. Uns wurde auch immer wieder versichert, dass die internationale Schleifmesse auf jeden Fall stattfinden würde. Umso größer war dann die Enttäuschung. Es wäre unser erster Messeauftritt überhaupt geworden. Auf Messen ist es natürlicher viel leichter, das richtige Klientel für unsere Produkte zu finden und gerne hätten wir unsere innovativen Produkte präsentiert und der breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Das, was wir hier entwickeln, die Methodik, wie wir das herstellen, sind teilweise Weltneuheiten. Wir haben auch mehrere Patente in den vergangenen Jahren erlangt.

Welche Ihrer Werkzeuge heben sich besonders ab?

Jens Schröder: Für jedes Werkzeug in der Schleif- und Abrichttechnik ergeben sich neue Möglichkeiten oder Verbesserungen da wir ein innovatives Bindungsverfahren haben. Wir bieten zum einem eine chemische Verbindung und zum anderen kann sie zusätzlich auch formschlüssig sein. Somit können wir ganz neue Anordnungen generieren die anderen Bindungsverfahren nicht ermöglichen oder für die Fertigungsprozesse viel zu aufwendig wären. Spanraum und Traganteil nicht nur über Korngrößen, Konzentrationen und Abstände einstellen, sondern auch zusätzlich über geometrische Anordnungen wie in Spuren, Gruppen, Segmenten oder einzelne Diamanten in klar definierte Positionen zu bringen, das sind ganz neue zukunftsweisende Möglichkeiten auf den Schleif- und Abrichtflächen. Und noch einen oben drauf, das Ganze geht auch mehrschichtig.

Und Sie machen bei ROT ausschließlich Vakuum-Lötung?

Reiner Oehlmann: Das ist unsere Expertise. Die gesamte Fertigung findet bei uns im Hause statt, dahinter steht ein großer Maschinenpark. Auch selbstentwickelte Vorrichtungen zum Präzisionsschleifen und Sondermaschinen kommen hier zum Einsatz.

Wie darf man sich das vorstellen?

Jens Schröder: Des Weiteren verfügen wir über mehrere Öfen unterschiedlicher Ausführungen und Dimensionen. Ende 2020 bekamen wir einen weiteren Neuzugang: Einen Vakuumlötofen für Produkte bis Ø800mm und für eine Länge bis 1400mm. Diese Anlage bietet nicht nur Nutzraum für größere Bauteile, sondern auch für die Serienfertigung. Wir freuen uns darauf, wenn der Vakuum-Ofen rund um die Uhr im Einsatz ist.

Synthetische Diamanten einzeln positioniert

Sie haben sich für drei Vakuum-Lötanlagen entschieden. Warum gleich drei Öfen?

Reiner Oehlmann: Einer der Öfen ist ein reiner „Versuchs-Ofen“ zum Experimentieren. Das ist eine kompakte Anlage, passt auf den Tisch, ermöglicht eine schnelle Reaktion und darüber hinaus lässt es sich damit wunderbar experimentieren. Würden wir die größte Anlage für Versuche fahren, wäre das natürlich betriebswirtschaftlicher Unsinn. Jede Maschine hat ihre Daseinsberechtigung und mit unserem gewachsenen Know-how haben sich neue Anwendungsfelder und Möglichkeiten ergeben und damit auch neue Anlagen.

Wie sind Sie auf die Idee des Vakuum-Lötens gekommen?

Reiner Oehlmann: Zufall! Wir begangen mit dem Feinschichtsintern und sind dann auf das Thema Löten gekommen. Aus einer Idee ergab sich die Nächste und daraus hat sich dann das Ganze entwickelt. Ausprobieren, ausprobieren, viele tausende von Versuchen und aus jedem Ergebnis etwas dazu gewinnen, auch wenn Sie einem erst negativ erscheinen.

Und dann kam der Durchbruch?

Reiner Oehlmann: Nicht ganz, aber die ersten Werkzeuge produzierten wir bereits 2014 mit Erfolg.

Sind Sie also ein Pionier der Vakuum-Löttechnologie?

Reiner Oehlmann: Die Technik ist nicht wirklich neu, aber diese Anwendungstechnik sucht hier ihre Lösungen und die haben wir gefunden.

Was hat Sie ursprünglich daran gehindert in den Markt mit dieser Innovativen Technologie zu gehen?

Reiner Oehlmann: Die über 24 Jahre vertrauensvolle und gute Zusammenarbeit mit unserem Kunden als Systemlieferant, hätte wohl das Altbewährte über den Haufen geworfen.

Und Ihre Methode hat sich bewährt?

Reiner Oehlmann: Zu 100 Prozent. Kernpunkt ist das Löten als umweltfreundliches Verfahren im Vergleich zur galvanischen Methode; ohne diese schmutzigen galvanischen Lösungen, die dann aufwändig getrennt und entsorgt werden müssen. Beim Vakuumlöten hingegen ist der Umgang mit Stoffen weitaus ungefährlicher und umweltfreundlicher, eine Schutzausrüstung ist nicht erforderlich. Außerdem erspart uns der Lötprozess im Gegensatz zur galvanischen oder zur Sinterbindung viel Zeit und zusätzliche Aufwendungen. Dadurch sind wir sehr flexibel und schnell in der Herstellung der Präzisionswerkzeuge.

Seit wann arbeiten Sie nach dieser Methode?

Reiner Oehlmann: 2014 fingen wir mit den Entwicklungen an. Die erste Anlage zum Experimentieren wurde gekauft und nach und nach haben wir neue Erkenntnisse gewonnen und an Verbesserungen gearbeitet. Stück für Stück haben wir uns vorangetastet, verschiedene Lote, Techniken und Prozesse ausprobiert und unseren Fokus zu 100 Prozent in diese Technologie gelegt. Schließlich sind wir dann sogar dazu übergegangen, die Lote selbst herzustellen, um nichts den Zufall überlassen zu müssen.  Aus unserer Sicht ist unsere Entwicklung zukunftsweisend.

Wenn Sie die Entwicklungen auf den Märkten anschauen. Was bereitet Ihnen da am meisten Kummer?

Reiner Oehlmann: Kummer? Nein, habe ich nicht. Klar, die Situation ist zur Zeit schwierig, aber das betrifft ja die gesamte Branche. Unsere Produkte sprechen für sich: Wir bieten individuelle Lösungen für jede Anforderung und für jedes Werkzeug und … vom ökologischen Gesichtspunkt gesehen umweltfreundlich, weil wir nicht mit bedenklichen Betriebsstoffen arbeiten müssen. Langfristig ist das der Weg, der begangen werden sollte: eine ökologisch ausgerichtete, zeitgemäße Präzisionswerkzeug-Fertigung.

Umweltschutz scheint Ihnen besonders wichtig zu sein?

Reiner Oehlmann: Nachhaltigkeit, Wirtschaftlichkeit und eine moderne Produktion gehen bei uns sehr gut mit dem Umweltschutz einher. So haben wir unter unseren Produktionshallen 42 Erdsonden rund 40 Meter tief in den Boden getrieben, das zentrale Element der Geothermieanlage. Auf unseren Dächern sind über 1.800 Solarpanels angebracht. Der Strom wird sowohl für den Betrieb genutzt, aber auch in das Netz eingespeist. Auch die Energie Rückgewinnung von den Maschinen ist ein tolles Thema. Es ist doch wunderbar, dass es diese Möglichkeiten heute gibt.

Ihr Kerngeschäft liegt in der Produktion von Diamant-Abrichtwerkzeugen und Diamant-Schleifscheiben. Welche Argumente sprechen für eine Zusammenarbeit mit ROT?

Jens Schröder: Uns geht es darum, genau in Erfahrung zu bringen, welche Bedürfnisse der Kunde hat. Haben wir uns dann erst mal auf ihn eingespielt, wissen wir genau, mit welchem Werkzeug er erfolgreich sein wird. Wir bei ROT können zu 100 Prozent reproduzieren, bieten kurze Lieferzeiten und Abrufaufträge.  Standard Werkzeuge werden zukünftig auf Lager gefertigt und je nach Kundenwunsch dann nur noch auf die Geometrie geschliffen. Eine gute harmonische Zusammenarbeit  mit unseren Kunden und gemeinsam erfolgreich sein, das ist unser Ziel. Wir wollen auch allgemeine Beiträge leisten und beispielsweise aus ethischen Gründen keine Naturdiamanten einzusetzen.

Beraten Sie Ihre Kunden vor Ort?

Reiner Oehlmann: Aktuell telefonisch aber am liebsten bei uns vor Ort. Ein persönlicher Kontakt ist natürlich durch nichts zu ersetzen. Das erleichtert Vieles und beide Seiten lernen durch diese vertrauensvolle Zusammenarbeit immer auch etwas dazu. Es ergibt sich ein konstruktives Miteinander. Der Erfolg gibt uns recht: Reklamationen gibt es so gut wie nie. Das bestärkt uns in unserem Tun.

Welche Chancen sehen Sie im Hinblick auf die Produkte für die kommenden Jahre für sich?  

Reiner Oehlmann: Die hundertprozentige Reproduzierbarkeit, die hohe Güte, kurze Lieferzeiten unserer Produkte. Die Festigkeit, die wir erreichen, durch die richtige Bindung zum Diamant. Und die Einstellbarkeiten. Unsere Werkzeuge bieten unheimlich viele neue Möglichkeiten und Chancen, die es so vorher noch nicht gab. Die Anordnung der Diamanten ist je nach Anforderungsprofil des Kunden immer anders, sozusagen maßgeschneidert.

Welche Herausforderungen sehen Sie die nächsten Jahre auf sich zukommen?

Reiner Oehlmann: Wenn der Bedarf nach unseren Produkten wächst, wie es sich 2019 schon abgezeichnet hatte, werden wir mit unserem 20-köpfigen Team die Nachfrage nicht mehr bewältigen können.  Wir werden sehen, was die Zeit bringt und wie sich die ganze Situation am Markt entwickelt. Da stehen pandemiebedingt einfach zu viele Fragezeichen im Raum. Auf jeden Fall möchten wir mit unseren Produkten in ganz Europa gut verteilt und strategisch erstklassig platziert sein.

Das heißt Sie planen andere Vertriebs-Standorte?

Reiner Oehlmann: Klar, die wollen wir schaffen. Die Produktion der Werkzeuge wird aber hier in Celle bleiben. Alles Weitere wird sich dann zeigen.

Profilrolle für das Wälzschleifen (Zahnradfertigung)

Wo gibt es noch unternehmerische Freiräume oder Nischen?

Reiner Oehlmann: Die Elektro-Mobilität fordert im Bereich der Getriebe-Technik neue Lösungsansätze. Zahnräder und Getriebe werden immer kleiner und kompakter. Kleine modulare Abrichtwerkzeuge sind hier gefragt; also beispielsweise Modul 0,3 bis 1,0. Das sind schwierige Module, die auch mit den herkömmlichen Verfahren sehr problematisch herzustellen sind. Hier besteht ein Markt für gelötete Werkzeuge.

Sind Sie auch im Medizinbereich?

Jens Schröder: Dort haben wir die ersten Grundsteine gelegt.  Es befindet sich einiges in der Entwicklung und die Ideen reißen nicht ab. Einsetzen können wir unsere Diamant Produkte auch im Bereich der Lebensmittelindustrie, wo wir auch die wichtigen Zulassungen für Lebensmittelkontakt erhalten haben. Die Produktion von Diamant-Mühlsteinen, um z.B. Hülsenfrüchte zu schälen, ist nur ein Bereich. Die Löttechnik bietet zusätzlich viele andere Anwendungsmöglichkeiten außerhalb des Diamant-Werkzeugbaus.

Wie sind Sie darauf gekommen, für die Nahrungsmittelindustrie zu fertigen?

Jens Schröder: Das war Zufall. Wir sind durch einen Schleifscheiben-Lieferanten darauf aufmerksam geworden. Die Formstabilität und Sicherheit unserer Produkte sind dort sehr interessant. Der mehrschichtige Diamant-Belag mit einer Anaordnung ist dort sehr gefragt. Man gewinnt an Prozesssicherheit, hohe Standzeiten und eine sehr geringe Verunreinigung der Lebensmittel.

Reiner Oehlmann: Auch im Bereich der Mikrowerkzeuge sehe ich noch viel Potenzial für uns, auch wenn wir hier noch in den „Kinderschuhen“ stecken. Ideen haben wir genug, wenn es um neue Werkzeuge und Anwendungen geht. Gerade im Bereich des Vakuumlötens können wir in ganz unterschiedliche Richtungen denken. Das ist ein sehr spannendes Feld.

Herr Oehlmann, war es schon immer Ihre Absicht, Unternehmer zu werden?

Reiner Oehlmann: Zunächst begann ich mit einer Ausbildung als KFZ-Mechaniker bei Mercedes. Schon während meiner Lehrzeit verfügte ich zuhause über eine große Garage mit der notwendigen Ausstattung und hatte so die Möglichkeit, für Freunde Autos zu reparieren. Egal was ich je in meinem Leben gemacht habe: Ich war immer mit Leidenschaft und einem Vorwärtsdrang dabei. Ich wollte immer mehr erreichen. Durchschnitt zu sein, hat mir bis heute nie genügt. Eine Ausbildung zum Werkzeugmacher habe ich dann im Anschluss auch noch absolviert. Und Schweißen gehörten auch zum täglichen Brot. Unternehmerisches Denken und Handeln begleitete mich von Anfang an.

Womit sind Sie täglich beschäftigt?

Reiner Oehlmann: Meine tägliche Herausforderung besteht darin, mit den einzelnen Mitarbeitern Gespräche zu führen, so dass jeder Einzelne auch seine Ziele erreicht. Egal ob wir über Vorrichtungsbau reden, über Maschinenbau oder über die Ausbildung. Alles muss ein wenig gesteuert, moderiert und auch mit Anreizen versehen werden.

Woran arbeiten Sie momentan konkret? Welche Strategien verfolgen Sie?

Reiner Oehlmann: Die Zukunft zu planen. Momentan habe ich Vieles im Kopf und das Ganze ist aber noch nicht auf Papier.

Sie wohnen mit Ihrer Frau und Ihren fünf Kindern und all den Vakuumlötanlagen, Schleifmaschinen und CNC Fräsen fast unter einem Dach, quasi nur durch ein Carport getrennt. Wie schafft man den Spagat zwischen Familie und Firma?  

Reiner Oehlmann: Natürlich steht die Arbeit an erster Stelle und ohne vollen Einsatz wäre Erfolg sicher nicht möglich. Meine Frau Susanne unterstützt, wo sie nur kann und gerne nehmen wir uns die wertvolle Familien-(Aus-)Zeit für ein ausgedehntes Frühstück nicht nur am Wochenende. Aber ja, es gibt wohl keinen Tag, ohne dass ich nicht in der Firma am Arbeiten bin. Durch die Nähe zum Wohnhaus ergibt sich vielleicht auch zwangsläufig eine familiäre Arbeitsatmosphäre, wir duzen uns alle, an Geburtstagen haben die Mitarbeiter frei und manch einer bleibt auch nach der Arbeit noch gerne auf ein Feierabendgetränk oder eine nette Unterhaltung.

Welchen Traum konnten Sie sich noch nicht erfüllen?

Reiner Oehlmann: Erfreulicherweise konnte ich mir bisher alle meine Vorhaben in die Tat umsetzen. Aber klar, das Wetter in unseren Breitengraden lässt gerade im Herbst und Winter doch sehr zu wünschen übrig. Vielleicht kann ich den Traum eines Tages verwirklichen: 6 Monate in Südafrika überwintern und dann das andere halbe Jahr wieder in Celle verleben. Mal sehen…

Haben Sie ein persönliches Lebensmotto?

Reiner Oehlmann: Immer fröhlich bleiben!

 

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Firma: ROT: Mit Leidenschaft und Vorwärtsdrang das Bestehende weiterentwickeln
Website: https://www.rot-gmbh.de/

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