Schott Diamantwerkzeuge: Einfach machen!

04. Juni 2020
Schott Diamantwerkzeuge, Burghard Lein
Burghard Lein, Geschäftsführender Gesellschafter von Schott Diamantwerkzeuge: „Wir erleben in den letzten Jahren einen ungeheuer dynamischen Wechsel von Ups and Downs.“
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Maschinenschlosser, Industriemeister, Technischer Betriebswirt. Seit über 30 Jahren sind Werkzeuge die Welt des Burghard Lein. Als er 1989 in der Firma Schott Diamantwerkzeuge anfing, war er einer von 5 Mitarbeitern. Jetzt ist er dort geschäftsführender Gesellschafter mit 45 Mitarbeitern. Gemeinsam mit dem Firmengründer Klaus Schott entwickelte er neue Ideen und führte neue Technologien ein. Er war am Wachstum der ehemaligen Handelsvertretung mit angeschlossenem Werkzeugbau maßgeblich beteiligt. Heute ist die Firma Schott-Diamantwerkzeuge ein breit aufgestellter international agierender Hersteller für Sonderwerkzeuge.

Die Corona-Krise zwingt nun auch Lein, zwei Gänge herunterzuschalten. Ein Gespräch über Märkte, Corona und Zukunft.

DIAMOND BUSINESS: Sind Sie ein ängstlicher Mensch?

Burghard Lein: Nein. Aber ich muss zugeben, dass ich zurzeit schlecht schlafe.

Corona?

Die Corona-Pandemie trifft uns tatsächlich in voller Fahrt, um es mal salopp zu sagen. Hier auf meinem Schreibtisch liegen Pläne für einen weiteren Hallenbau, der in diesen Tagen losgehen sollte... Aber nicht nur das. Als ich den technischen Betriebswirt machte, lernte ich noch, dass die Volkswirtschaft in Fünf- bis Siebenjahres-Zyklen funktioniert, mehr oder weniger. In den letzten Jahren, spätestens seit 2009 also mit der Finanzkrise, erlebe ich einen unglaublich dynamischen Wechsel von Ups and Downs, die nicht wirklich erklärbar und somit nicht vorhersehbar sind. Für mich als Unternehmer haben sich also die Risiken bei der Planung erhöht. Das betrifft Investitionen ebenso wie Personal.

Woran arbeiten Sie gerade?

Natürlich bewegen mich viele Fragen im Zusammenhang mit der Corona-Krise. Wir sind in Kurzarbeit, wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum. Nach der Finanzkrise 2009 waren es gerade mal vier Wochen. Aber die Dimension von Corona ist eine ganz andere. Jeder Mensch ist betroffen. Die Folgen sind eine globale soziale, wirtschaftliche und finanzielle Krise, deren Ende nicht absehbar ist. Es wird auf fiskalischer Seite zu riesigen Schuldenerlässen kommen müssen... Aber natürlich kann es immer Dinge geben, die man nicht beeinflussen kann. Risikobereitschaft gehört zum Unternehmertum. Ich habe den festen Glauben, dass unser Unternehmen diese Krise übersteht. Mein Ziel ist es, dann in den Ruhestand zu geben, wenn Schott-Diamantwerkzeuge 100 Mitarbeiter hat, jetzt sind wir 45. Und ich habe noch viel Zeit...

Was treibt Sie an?

Auf der einen Seite die Aussicht, dass sich die Arbeit, die ich seit nun 31 Jahren bei Schott geleistet habe, Früchte trägt: Meine Kinder sind mittlerweile in der Firma und ich hoffe natürlich, dass ich eines Tages die Verantwortung an sie übergeben kann. Ich war sehr dankbar, als ich 1999 von Klaus Schott das Angebot bekam, mit 25 Prozent einzusteigen und damit die Chance bekam, an der Fortentwicklung eines innovativen Unternehmens mitzuwirken – für mich als junger technischer Betriebswirt ein „Riesen-Ding“. Schott Diamantwerkzeuge als solides Unternehmen zu erhalten ist damit eines meiner Hauptziele. Zum Allein-Inhaber wurde ich ja dann durch den plötzlichen Tod von Klaus Schott 2005.

Schott Firmengebäude 1 von 3

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Das geht nur gemeinsam mit meinen motivierten und erfahrenen Mitarbeitern. Mir war immer wichtig, dass wir uns nicht nur auf einen Bereich fokussieren, sondern uns möglichst breit aufstellen. Unsere Kunden kommen aus der Flachglas- und Keramikindustrie, der Uhrenindustrie, der Dental- und Medizintechnik, der Automobilindustrie sowie aus der Aerospace-Sparte. Hier haben sich für uns Nischen aufgetan, die wir mit unserer Aufstellung gut bedienen können. Wir können schnell und flexibel Highend-Werkzeuge herstellen. Überhaupt spielt neben der Qualität Schnelligkeit in diesem Bereich die Hauptrolle. Das hängt auch mit dem zunehmenden Customizing-Trend zusammen. Hier können wir durch unseren Manufaktur-Charakter und flache Hierarchien unmittelbar kundenorientiert reagieren.

Wo sehen Sie ihr Kerngeschäft?

Eine unserer Kernkompetenzen ist die Konstruktion und Herstellung von galvanisch durchsetzten Diamant- und CBN-Werkzeugen für die Ultraschallbearbeitung von sprödharten Werkstoffen. Bei der Ultraschallbearbeitung werden die klassischen Fertigungsverfahren (Bohren, Fräsen, etc.) mit der Ultrasonic-Technologie zusammengebracht. Die Ergebnisse sind weniger Werkzeugverschleiß, geringere Bearbeitungskräfte, eine bessere Zerspanbarkeit und eine höhere Oberflächengüte. Wir machen mittlerweile 50 Prozent unseres Umsatzes mit Ultraschall-Werkzeugen. Unser Fokus liegt dabei immer auf spezifischen Lösungen, nicht auf Massenware. Des Weiteren bieten wir gesinterte Diamantwerkzeuge für die moderne Glas- und Keramikbearbeitung für die konventionelle Anwendung. Wir verfügen auch über ein großes Sortiment an verschiedensten galvanischen Schleifwerkzeugen und Dentalbohrern für die Fertigung in der Dental-Medizintechnik.

Wie setzen Sie Ihre Ansprüche um?

Wir setzen auf technisch versierte Kundenbetreuung und sehr kundennahe Vertriebsaktivitäten mit einer im eigenen Haus eingerichteten Anwendungstechnik und Werkzeugfertigung – und dies seit 1975.

Welchen Nutzen hat Ihr Kunde, wenn er Ihre Produkte zum Einsatz bringt?

Durch die auf den jeweiligen Anwendungsfall abgestimmten Werkzeuge erzielt er die geforderten Bearbeitungsergebnisse bei hoher Werkzeugstandzeit. Somit sind Prozess wie Werkzeugkosten optimiert. Durch unser Tool Shop-System bieten wir unseren Kunden zudem einen besonderen Liefer- und Lagerservice. Eigene Patentanmeldungen für Sonderwerkzeuge zeigen unseren hohen Technologiestandard auf. Zudem entwickeln wir permanent Bindungssysteme im Bronze- und Kunstharzbereich für optische Gläser weiter.

Ultrasonic-Bearbeitung

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Diese Frage setzt das Ideal der Planbarkeit voraus. Ich hatte ja schon angesprochen, dass die Aufs und Abs immer rasanter und schärfer werden. Strategien sind eine Sache – Realitäten dann oft die andere, was man am aktuellen Beispiel der Corona-Pandemie sieht. Es wird immer Dinge geben, die wir nicht beeinflussen können, und trotzdem muss man Ziele definieren, man kann ja nicht in den Tag hineinleben.

Wie arbeiten Sie zurzeit?

Wir fahren im Produktionsbereich Zweischichtbetrieb in kleinen Teams, der Verwaltungs- und Verkaufsbereich ist zu den üblichen Bürozeiten wechselweise besetzt.

Worin sehen Sie die Anforderungen der nächsten Jahre?

Zunächst müssen wir Corona und die nicht zu unterschätzenden Folgen überstehen. Ein zeitnahes Ziel ist die Einführung eines neuen, erweiterten ERP-Systems, ferner wollen wir die Betriebserweiterung in den kommenden Jahren realisieren und in der Produktion streben wir danach, energieeffizienter zu werden. Ein strategisches Ziel ist, uns zu einem Systemanbieter von Werkzeugen, Produkten und Dienstleistungen in der Branche zu entwickeln. Zudem müssen wir uns dem permanent steigenden Verwaltungsaufwand stellen: Vielleicht ist die aktuelle Krise auch Impulsgeber für einen Bürokratieabbau und eine mittelstandsfreundlichere Politik. Der Wert von qualifizierten Arbeitsplätzen wird aktuell wieder mehr geschätzt. Eine Forderung von mir an die Politik wäre, Firmen, die im ländlichen Raum produzieren wie wir, stärker zu unterstützen, zum Beispiel mit Infrastruktur wie Glasfaser etc. Darüber hinaus sehe ich immer noch ein großes Ungleichgewicht in der Bewertung von KMUs und Großbetrieben durch die Politik.  

Ein Blick in die Zukunft...

Produkte werden immer nachhaltiger in Sachen umweltverträgliche Materialkomponenten. Das ist die eine Seite: Die aktuelle Situation lässt auch viele Menschen nachdenken. Wir machen jetzt intensiv Erfahrungen mit Homeoffice, digital Workflow und Videokonferenzen. Das wird dazu führen, dass das ein oder andere auf den Prüfstand gestellt oder zumindest hinterfragt wird: zum Beispiel die Industriemessen in ihrer jetzigen Form oder das Thema Vertrieb, das ja immer mit einer enormen Reisetätigkeit verbunden ist. Ich bin positiv eingestellt und hoffe sehr, dass es nach Corona zu einer richtigen Aufbruchstimmung kommt. Wir sind dabei.
 

Sie finden den vollständigen Artikel in der nachfolgenden Pdf-Datei.



Firma: Schott Diamantwerkzeuge GmbH
Website: https://www.schott-diamantwerkzeuge.de/

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