Zecha: Aus der Nische kommt die Kraft

19. Februar 2019
Stefan Zecha und Reiner Kirschner von Zecha Hartmetall-Werkzeugfabrikation GmbH
In zweiter Generation leitet Stefan Zecha die Geschicke des badischen Unternehmens nähe Pforzheim (li.). Während er sich u.a. auf die Produktion von diamantbeschichteten Mikrowerkzeugen fokussiert, verantwortet sein Geschäftspartner Reiner Kirschner (re.) seit einigen Jahren die Bereiche Stanzen und Umformung.
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Ist man auf der Suche nach geringen Toleranzen und hochwertigen Mikrowerkzeugen, findet man mit der Zecha Hartmetall-Werkzeugfabrikation aus Königsbach-Stein einen zuverlässigen Partner und Spezialisten für Genauigkeit, Präzision und gleichbleibende Qualität auf höchstem Niveau. Mit der kompromisslosen Ausrichtung auf Mikropräzisionswerkzeuge geht Zecha den erfolgreichen Weg eines innovativen Nischenanbieters. Wirtschaftsexperten zufolge hat gerade in der heutigen Zeit die sogenannte Nischenstrategie ein hohes Zukunftspotenzial, denn Spezialisierung auf einem Gebiet heißt immer auch „Profi“ auf diesem Gebiet zu sein.

Als 1964 Erwin Zecha mit der Produktion von Hartmetall-Sonderwerkzeugen für die Zerspanung und Stanztechnik begann, ahnte noch niemand etwas von der zukünftigen Spezialistenrolle für (diamantbeschichtete) Mikrowerkzeuge. Dem Unternehmer Zecha ging es primär darum, seine 5-köpfige Familie zu versorgen. Zunächst in Heimarbeit, später in der eigenen Produktion, begann er als 1-Mann-Unternehmen zuerst Stanzwerkzeuge für die Pforzheimer Uhrenindustrie herzustellen. Sein Sohn Stefan Zecha, der 1996 das Familienunternehmen geschäftsführend übernahm, erinnert sich noch genau an die Anfänge seines Vaters: „Die Kinderstube musste plötzlich der Werkstatt weichen und die Drehbank stand ab sofort im Mittelpunkt des Familiengeschehens“.

Mittlerweile arbeiten 130 Mitarbeiter für das badische Unternehmen nähe Pforzheim. Stefan Zecha verrät im Interview sein Erfolgsrezept, Marktchancen sowie für welche Herausforderungen sich das mittelständische Unternehmen zukünftig rüsten muss.

 


DIAMOND BUSINESS: Herr Zecha, kurz nach Ihrer Ausbildung zum Werkzeugmechaniker bei einem Medizinproduktehersteller nahmen Sie im elterlichen Betrieb die Arbeit auf. Geschäftsführer von Zecha sind Sie nun schon seit 1996. War Ihr Weg quasi bereits vorgezeichnet?

Stefan Zecha: Keineswegs. Nach meiner Ausbildung zum Werkzeugmacher hatte ich es mir zum Ziel gesetzt, das Abitur zu machen und danach zu studieren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Meister im elterlichen Betrieb gekündigt und mein Vater bat mich, ihn in der Firma zu unterstützen. Ich entschied mich, meine Pläne erst einmal hintenanzustellen und stieg 1992 bei meinem Vater im Unternehmen ein. Nebenbei machte ich in der Abendschule meinen Meister und den Betriebswirt des Handwerks.

Vor 18 Jahren haben Sie sich mit Reiner Kirschner als Geschäftspartner Unterstützung für die Unternehmensführung von Zecha geholt. Wie kam es zu diesem Schritt?

Zecha hat schnell eine Größe erreicht, die es notwendig machte, Ausschau nach einem Partner zu halten. Wir beide haben unterschiedliche Schwerpunkte und ergänzen uns deshalb hervorragend. Er verantwortet die Bereiche Stanzen und Umformung und fühlt sich in der Produktionstechnik zu Hause. Ich sehe meine Stärken auf dem Gebiet der Zerspanungswerkzeuge, dem Marketing und dem Vertrieb. Durch die gegenseitige Ergänzung in den beiden Bereichen war es uns möglich, Zecha in die heutige Unternehmensgröße zu führen. Ich schätze Herrn Kirschner als Ratgeber und vertraue auf seine Meinung. Allein ist allein, zu zweit ist zu zweit.

Zecha Produktionshalle

Wo liegt das Kerngeschäft von Zecha?

Wir sind in vielen Branchen tätig und bieten deswegen eine Vielzahl an Werkzeugen. Zecha beliefert nationale und internationale Firmen aus den Bereichen der Medizin- und Dentaltechnik, der Uhrenindustrie oder der Automobilindustrie. Der größte Einzelzweig ist der Formenbau und diamantbeschichtete Werkzeuge unsere stärkste Produktgruppe. Das ist auch der Bereich, den wir weiterhin forcieren werden.
Mit der Neuentwicklung der Iguana Kugel-, Torus- und Schaftfräser konnten wir den Markt der Diamantwerkzeuge im Mikrobereich revolutionieren. Die Fräser-Familie biete Mehrschneider im kleinen Durchmesserbereich ab 0,4mm mit scharfen Schneidkanten und hochverschleißfester, geschlossener Diamantbeschichtung. Wir haben in unser eigenen Forschungs- und Entwicklungsabteilung einen Prozess entwickelt, der es möglich macht, mit einer 2-fachen Laserbearbeitung eine Schneidkante von einem µm herzustellen. Uns ist damit ein Erfolgsmodell gelungen, denn das gab es bisher nur bei mehrschneidigen Diamantwerkzeugen mit Durchmessern größer als 3mm.

Was schätzen Ihre Kunden besonders an Ihren Werkzeugen?

Sie können sich immer auf die gleichbleibende, höchste Qualität unserer Werkzeuge verlassen. Darauf legen unsere Kunden großen Wert. So erhalten sie konstante, reibungslose Prozesse in ihrer Produktion und sparen wichtige Ressourcen wie Zeit und Geld.

Das heißt, sie investieren auch gerne mehr für diese Präzisionswerkzeuge?

Es gibt zwei verschiedene Arten von Kunden: Ein Teil besteht auf ein absolutes High-End-Produkt und zahlt dafür auch bereitwillig einen gewissen Preis. Beim anderen reicht ein Standardprodukt. Dieses ist auch sehr gut ausgelegt, aber nicht ganz so hoch in der Performance wie die Premiumausführung. Meine Mitarbeiter aus dem Vertrieb kennen meine Meinung: Nicht jeder Prozess benötigt ein High-End-Werkzeug – hier ist das optimale Zusammenspiel zwischen Werkzeug, Maschine und Applikation ausschlaggebend.

Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Kunden nahezu gleichbleibende Qualitäts-Werkzeuge von Ihnen beziehen können?

Wir haben bestimmte Regularien, auf die wir Wert legen. Jedes Werkzeug kommt mit einer Lebensnummer am Schaftende aus der Produktion. Dadurch ist es eindeutig identifizierbar und jeder Arbeitsschritt kann auch noch nach Jahren transparent nachverfolgt werden.  Außerdem gilt bei uns folgende Faustregel:
Wird einmal ein Werkzeug mit einem bestimmten Hartmetall hergestellt, dann wird auch weiterhin das gleiche Hartmetall verwendet. Das Gleiche gilt für die Beschichtung und auch für die Geometrie. Darauf kann er sich bei Zecha verlassen. Wir versuchen jedes Werkzeug nahezu identisch zu machen und unserem Kunden damit einen immer gleichen Prozess zu ermöglichen. Um die gleichbleibend hohe Qualität zu gewährleisten, haben wir deshalb auch nur, teilweise schon seit mehr als 30 Jahren, zwei Hauptlieferanten von Hartmetall. Hartmetall ist nicht gleich Hartmetall…

Zecha Peacock-Serie 2018

Welche Chancen sehen Sie im Hinblick auf Ihre Produkte?

Am Markt findet seit Jahren eine Miniaturisierung statt, alles wird filigraner und präziser. Wenn es ins Detail geht oder µ-genau sein muss sehe ich uns im Bereich der Mikrowerkzeuge sehr gut positioniert. Unsere Mitarbeiter leben die Präzision. Deshalb geben wir auch keine Zeiten für die Produktion vor. Unser Ziel ist es, das Bestmögliche für unsere Kunden herzustellen.

Was bereitet Ihnen Kummer, wenn Sie die Märkte derzeit beobachten?

Der Handelskrieg, den Donald Trump angezettelt hat, sorgt weltweit für große Unruhe und Unsicherheit. Jede Krise beginnt mit einem psychologischen Element. Kunden werden vorsichtig und verschieben ihre Bestellungen und auch größere Investitionen sicherheitshalber erst einmal auf unbestimmte Zeit. Die Eskalationsspirale im Handelskonflikt zwischen den USA und anderen Ländern könnte der Nährboden für eine kommende Weltwirtschaftskrise sein. Die Strafzölle sind Sand im Getriebe der globalisierten Wirtschaft.

Worin sehen Sie Ihre täglichen Herausforderungen?

Der Tag hält immer vielfältigste Aufgaben bereit. Jeden Tag kommt etwas auf den Tisch, das schnell bearbeitet werden muss. Entscheidungen müssen teilweise unter Zeitdruck gefällt werden. Meine Devise lautet: Lieber eine unvollendete Entscheidung, als gar keine. Entscheidungen müssen getroffen werden, auch wenn sie ich im Nachhinein als falsch erweisen. Das ist besser, als Entscheidungen zu vertagen oder mit sich herum zu tragen.

Wo möchten Sie mit Ihrem Unternehmen in 10 Jahren stehen?

Ich sehe uns immer noch als Hersteller für Mikrowerkzeuge in höchster Präzision. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau zu halten. Dies wird aber nur gelingen, wenn wir uns die benötigte Zeit für Präzision und die eigenen Qualitätsansprüche nehmen und diese Ansprüche auch weiterentwickeln.

Angenommen, Sie wären mit einem Politiker im Gespräch. Was würden Sie sich wünschen?

Ich unterstütze den ortsansässigen Förderverein unserer Schule, denn die Jugend ist unser größtes Gut. Dort sollte die Politik viel mehr Geld investieren und mehr Lehrkräfte einstellen. Beispielsweise sollte es meiner Meinung nach kleinere Klassen geben, um die Kinder individuell zu fördern und auf diese einzugehen. Deutschland braucht dringend Facharbeiter - Die Grundsteine für eine gute Ausbildung werden schon in der Grundschule gelegt. Mit mehr als 30 Schülern kann eine gute Schulausbildung nicht gelingen. Es sollte keiner „auf der Strecke bleiben“.
Außerdem würde ich mir mehr Steuergerechtigkeit wünschen. Bei einer Lohnerhöhung kommt häufig nur die Hälfte beim Mitarbeiter an.

Woran arbeiten Sie gerade?

Das Hauptthema ist die Weiterentwicklung der Firma. Zum Beispiel um den Generationswechsel, der in ein paar Jahren ansteht. Zwei entscheidende Fragen gilt es zu klären: Erstens, möchten die Kinder im Unternehmen tätig werden, Verantwortung tragen und sind sie zweitens auch in der Lage dazu? Mein Sohn hat ein BA-Studium im Bereich Maschinenbau/Produktionstechnik bei Zecha begonnen und auch die Tochter meines Geschäftspartners arbeitet im Unternehmen mit. Sie hat ihr Studium zum Bachelor in Bio- und Prozesstechnik mit Schwerpunkt Verfahrenstechnik schon mit Erfolg abgeschlossen. Wichtig ist, dass sie gerne hier arbeiten - dann führt das auch langfristig zum Erfolg.

Ein weiterer Eckpunkt ist das Wissensmanagement bei Zecha. Viele Mitarbeiter gehen mittlerweile in den Ruhestand, viele Neue kommen wieder hinzu. Ein gut strukturierter Wissenstransfer muss stattfinden. Das ist aktuell ein großes Thema im Haus. Auch die Problematik um unsere (künftigen) Facharbeiter ist zu lösen. Wie schaffe ich es, genügend Facharbeiter zu bekommen, junge Menschen zu begeistern und auch zu halten.

 

 

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Firma: Zecha Hartmetallwerkzeugfabrikation
Website: https://www.zecha.de/de/