Nachgefragt: Zwei Schleifmessen innerhalb von 8 Wochen

25. Mai 2021
Im Bereich der industriellen Fertigung zählt die Schleiftechnik zu den wichtigsten Fertigungsverfahren. Wie steht die Branche zum Thema Grindtec und Grindinghub? Wir haben nachgefragt...
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Zwei Schleifmessen innerhalb von 8 Wochen

Im Bereich der industriellen Fertigung zählt die Schleiftechnik zu den wichtigsten Fertigungsverfahren. Entsprechend dieser Bedeutung hat sich die Grindtec seit 1998 in Augsburg als weltweit führende Fachmesse etabliert und sich einen Namen gemacht. Nach einem durch Corona  bedingt verdorbenem Messejahr 2020 steht nun für 2022 zusätzlich ein Messeanbieter mit dem Namen Grindinghub in den Startlöchern. Das ähnliche Messekonzept mit Messeschauplatz Stuttgart zielt nur wenige Wochen später auf identische Aussteller und Besucher ab. Das Team aus VDW, Messe Stuttgart als Veranstalter und Swissmem als ideeller Träger, äußert den Anspruch, die neue Branchenleitmesse für die Verfahren Schleiftechnik und die entsprechenden Maschinen zu werden.

Wie werden Sie als Aussteller bzw. Besucher auf das erweiterte, zusätzliche Angebot reagieren? Auf welcher Messe werden Sie Ihre Produkte, Dienstleistungen, Werkzeuge und Maschinen präsentieren oder werden Sie nur als Besucher erscheinen? Welche Kriterien helfen Ihnen bei Ihrer Entscheidung? Inwiefern berücksichtigen Sie auch die Standgebühren und Vertragskriterien der Veranstalter bezüglich der Stornierungsmöglichkeiten und Kostenerstattung?

 

Ronny Könnemann, KW Abrichttec GmbH

Ronny Könnemann, KW Abrichttec GmbH

"Als Nachfolger der Könnemann-Gruppe, welche die KW Abrichttec GmbH, G&N GmbH und Logomatic GmbH umfasst, sind wir durch unser Produktportfolio auf internationale Geschäftsbeziehungen sehr stark angewiesen. Die Grindtec, welche sich als solche in den letzten Jahren hervorragend positioniert hat, ist genau die Messe für uns. Durch den Covid bedingten Umstand zeigt sich für uns, wer sich wie in seiner Hauptaufgabe aufstellt und reagiert. Bedauerlicherweise hat sich die AFAG, m.E. in dieselbe Chaosspirale unserer Bundesregierung bewegt und schlechte Entscheidungen getroffen. Seitens der AFAG fehlte es an individueller Kommunikation, was schlussendlich den Aussteller finanziell belastet hat. Anstatt die Devise zu fahren: lass‘ gemeinsam reden, da wir im selben Boot sitzen und eine Lösung finden, blieben wir als Unternehmensgruppe auf der Stecke. Das zusätzliche Angebot der Grindinghub macht es leider nicht besser. Als Aussteller muss man nun entscheiden auf welcher Hochzeit man tanzen soll. Und wir wissen alle, Hochzeiten sind teuer. Unsere Reaktion? Wir werden  selbstverständlich die Grindinghub mit großem Interesse beobachten, uns jedoch dem Altbewährten widmen. Die Entscheidung resultiert daher, dass die aus dem Ausland kommenden Besucher wohl heute noch mehr ihr Augenmerk auf die „Grindtec“ richten. Dort stellen wir wie immer unsere Hochpräzisionschleifmaschinen für Metall und Semiconductor aus, sowie unsere Abrichttechnologie und machen Werbung für unseren neuen Spindelreparaturservice. Jedoch muss man zugeben, dass die AFAG es in den letzten Jahren leider verpasst hat, sich an Kundenwünschen anzupassen, einen größeren Standort zu fi nden. Zusätzlich ist Stuttgart wesentlich attraktiver als Augsburg in punkto Infrastruktur. Aber unterm Strich kann man sich vorstellen, dass es nicht viele Aussteller glücklich macht. Man wird nun „getrennt“ was bedauerlich ist. Ich wünsche beiden Veranstaltern viel Erfolg, aber es ist und bleibt: zwei Messen innerhalb von zwei Monaten ist leider absoluter ___ ."

Christel Breu, Breu Diamantwerkzeuge GmbH

Christel Breu, Breu Diamantwerkzeuge GmbH

"Die Grindinghub sehe ich als Konkurrenz, nicht als Ergänzung und es könnte längerfristig zu einem Verdrängungswettbewerb kommen. Die Beweggründe kenne ich nicht, könnte mir jedoch vorstellen, dass es der Messeschauplatz ist. Die Messe Stuttgart ist gut erreichbar. In  Augsburg wurden auch immer wieder Stimmen laut, dass die Grindtec für Augsburg langsam zu groß wird. Wir werden in so kurzem Abstand nicht an zwei Messen teilnehmen. Stuttgart ist für uns gut erreichbar, die Swissmem ist ein Partner der Grindinghub, wir werden uns also für die Grindinghub entscheiden."

Philippe van Bogaert, Bogimac Engineering nv-SA

Philippe van Bogaert, Bogimac Engineering nv-SA

"Vermutlich wurde diese Initiative gestartet, nachdem die Grindtec im Jahr 2020 auf sehr unglückliche Weise mit der Corona Problematik umgegangen ist – nicht zuletzt die Möglichkeit der Kostenerstattung, die ohne weiteres einseitig abgelehnt wurde. Die neue Grindinghub hat meiner Meinung nach mehrere Vorteile: eine gute internationale Erreichbarkeit durch den Standort in Stuttgart, ein starkes Konzept und eine unvergleichbare, professionelle Unterstützung der Industrie. Mit der richtigen Geschäfts-Ethik, besserer Kundenbetreuung und der üblich deutschen Wirtschaftlichkeit wird sich die Grindinghub sicher rasch zu einer neuen weltweiten Referenzmesse entwickeln."

Jürgen Röders, Röders GmbH

Jürgen Röders, Röders GmbH

"Wir werden zunächst auf beiden Messen ausstellen. Durch eine Schleifbearbeitung lassen sich sehr hohe Werkstückqualitäten in Bezug auf Präzision und Oberfl ächengüte auf unseren Maschinen herstellen. Inzwischen realisieren wir Rundheiten besser 0,5μm. Daher haben Messen mit Schwerpunkt Schleifen eine besondere Bedeutung für uns. Die neue Messe Grindinghub ist außerdem deswegen sehr interessant, weil der Messeplatz Stuttgart zentral in einer Region mit vielen fertigungstechnischen Betrieben liegt und für weiter anreisende Besucher sehr gut erreichbar ist. Entscheidend sind für uns Anzahl und Qualität der Messebesucher. Aber wir bewerten natürlich auch die Bedingungen für und den Umgang mit Ausstellern, die bei der Grindtec im Vergleich mit vielen anderen Messen deutlich ungünstiger sind."

Tim Göttsching, Hermes Schleifmittel GmbH

Tim Göttsching, Hermes Schleifmittel GmbH

"Schleifen ist immer noch ein sehr breites Feld mit vielfältigen Anwendungen für ganz verschiedene Branchen. Die neu entstandene Konkurrenzsituation kann helfen, die jeweiligen Messekonzepte zu schärfen, um ggf. unterschiedliche aber auch ganz neue Zielgruppen anzusprechen. Bereits jetzt wird deutlich, dass die Grindtec und Grindinghub jeweils andere Schwerpunkte setzen. So begrüßen wir als Hermes Schleifmittel z. B. den stärkeren Fokus der Grindinghub auf die Verzahnungsverarbeitung. Auf der anderen Seite vermissen wir aber von beiden Veranstaltern noch detailliertere Messeprofi le. So fehlen unter anderem noch Aussagen dazu, in welcher Form das Schleifen mit Schleifmitteln auf Unterlage Teil ihrer Konzepte ist, oder wie genau eine digitale Version der Messe parallel stattfi nden soll!"

Martin Welsch, Ritter + welsch Schleiftechnik GmbH & Co. KG

Martin Welsch, Ritter + welsch Schleiftechnik GmbH & Co. KG

"Die Grindtec bekommt Konkurrenz. Ab 2022 wird die Grindinghub mit ähnlichem Konzept an den Start gehen. Überrascht hat uns diese Nachricht nicht. War doch schon nach dem coronabedingten Chaos im Messejahr 2020 von dem Bestreben, eine parallele Messe aufzubauen, zu hören. Trotz digitaler Veranstaltungen, die längst selbstverständlich sind und weiter an Bedeutung gewinnen werden, brauchen wir die Messe als Branchentreff. Das ist unsere Überzeugung. Allerdings werden sich auf Dauer zwei nahezu identische Messeangebote, noch dazu zeitlich so dicht aufeinander, nicht halten können. Eine der beiden wird sich durchsetzen. Die Grindtec hat viel erreicht und als „Urgestein“ den Vorteil, bereits etabliert zu sein. Allerdings ist sie mit dem Messeplatz in Augsburg flächenmäßig am Limit. Hier liegt der klare Vorteil für die Grindinghub. Mit dem Messeplatz Stuttgart hat sie das größere Wachstumspotenzial und hinsichtlich der guten Verkehrsanbindung die Chance, international noch interessanter zu werden. Wir werden die Entwicklungen gespannt beobachten. Sehen wir, wer das Rennen macht."

Daniel Felber, Agathon AG

Daniel Felber, Agathon AG

"Die Corona-Pandemie hat aufgezeigt, dass schnelle und bestimmte Entscheide bei der Bewältigung einer weltweiten Krise der Schlüssel zum Erfolg sind. Dieser Ansatz hat sich bereits 2020 bewährt, als wir uns im Spätsommer von der Teilnahme an der Grindtec zurückgezogen haben, um Kunden und Mitarbeitende vor der damals zunehmenden Anzahl Ansteckungen zu schützen. Die Zielgruppe des Grindinghub weist präzise, wie wir als Hochpräzisionsschleifmaschinenhersteller nun mal sind, auf unseren Markt. Zudem hat sich der Standort Stuttgart schon bei früheren Messen, wie beispielsweise der AMB, als großartiger Ausgangspunkt innerhalb Europa und als Nabel zur Welt bewährt und uns die Entscheidung leichter gemacht. Das Zünglein an der Waage war nicht zuletzt die Trägerschaft von VDW und Swissmem, denen wir ebenfalls angehören, die uns schließlich zu Gunsten des Grindinghub entscheiden ließ. Wir denken, dass der Anlass eine großartige Plattform für einen Austausch sein wird und freuen uns auf die vielen Besucher aus der ganzen Welt, denn bei Agathon hat sich in den letzten Monaten viel bewegt."

Vanessa Josenhans, Stähli Läpp-Technik GmbH

Vanessa Josenhans, Stähli Läpp-Technik GmbH

"Seit dem Jahr 2000 war die Stähli Gruppe regelmäßig auf der Grindtec in Augsburg vertreten. Die Qualität und Quantität der Besucher waren immer sehr gut. Die Bedingungen für Aussteller und auch Besucher entwickelten sich in Augsburg jedoch zuletzt nicht optimal. Das Stähli Team war daher hocherfreut von der neu lancierten Messe Grindinghub zu hören und hat sich sofort entschieden, nunmehr den Fokus auf diese Messe zu legen. Die gesamte bereits langjährig bekannte Infrastruktur ist in Stuttgart sowohl für Aussteller als auch den Besucher ganz hervorragend. Die Messehallen überzeugen durch ihre übersichtliche, großzügige und moderne Gestaltung. Stähli ist überzeugt, Teil einer neuen innovativen Messe mit hochkarätigen Ausstellern und einem sehr kompetenten Fachpublikum zu sein. Auf der Grindinghub wird die Stähli Läpp-Technik AG zwei Maschinen für die Bereiche Läppen und Flachhonen ausstellen. Fachkundiges Personal wird vor Ort sein, um die High-Tech begeisterten Kunden bestens zu beraten."



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